Wir reden über: Feuchtgebiete

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„Wenn man Schwänze, Sperma und andere Körperflüssigkeiten ekelhaft findet, kann man es mit dem Sex auch gleich bleiben lassen!“

Soll man sich einen Film ansehen, der auf einem Buch basiert, dass in einem Jahr mehr Skandale ausgelöst und Tabus gebrochen hat als Lindsay Lohan und Amanda Bynes zusammen? Gut das ist jetzt dann doch ein bisschen übertrieben aber ihr versteht worauf ich hinaus will. Charlotte Roche’s Roman Feuchtgebiete war DAS Skandalbuch des Jahres 2008, so wie Fitfy Shades of Gray es im letzten Jahr war. Doch wie gesagt das ist jetzt doch schon wieder fünf Jahre her und gesellschaftliche Tabus werden heute schneller gebrochen als das Polareis schmilzt, war es also wirklich nötig daraus auch noch einen Film zu machen?

Story:

Helen Memel nimmt es nicht so genau mit der Hygiene, besonders wenn es um ihren Intimbereich geht, lieber rutscht sie mit dem blanken Hintern auf öffentlichen Toilettensitzen umher, tauscht Tampons mit ihrer besten Freundin aus und benutzt diverse Gemüsesorten zur Selbstbefriedigung. Als sie sich eines Tage bei einer Intimrasur, sprichwörtlich den Arsch aufreisst muss sie notfallmässig ins Krankenhaus eingeliefert werden und an der entsprechenden Stelle, auch im Zusammenhang mit ihren chronischen Hämorrhoiden, operiert werden. Nach ihrer Operation freundet sie sich mit der Zeit mit ihrem Krankenpfleger Robin an und verdreht ihm mit ihrer freizügigen Art gehörig den Kopf, daneben verfolgt sie aber auch insgeheim den Plan ihre geschiedenen Eltern wieder an ihren Krankenbett vereinen zu können.

Stil:

Feuchtgebiete ist direkt, unzensiert und schonungslos, so zumindest wurde der Film auf allen Plakaten und in den Trailern beworben. Was die expliziten Szenen angeht kann man dies dann auch voll und ganz unterstreichen und so sieht man von Blut bis zu Sperma so ziemlich alle Körperflüssigkeiten die der menschliche Körper zu bieten hat, doch schnell wird klar, dass die meisten dieser Szenen dann auch nicht wirklich viel mit der eigentlichen Story zu tun hatten und einfach nur für den reinen Schock-Effekt eingefügt wurden, zumal der Film meiner Meinung nach für europäische Verhältnisse sowieso nicht allzu schockierend ist, denn wenn wir ehrlich sind, hat man in der heutigen Zeit doch schon weitaus Schlimmeres gesehen, dennoch ist ein mit Durchfall überschwemmtes Krankenbett sicher auch nicht gerade der schönste und appetitlichste Anblick. Um auf die Geschichte zurück zu kommen, so besitzt diese beim zweiten Hinsehen, dann doch eine nicht zu leugnende psychologische Tiefe, wobei dann die ganzen Ekelbilder vor allem dann fast als mehr eine Ablenkung von dieser sind und die Geschichte dann aber besonders gegen Ende hin merklich abflacht und auch das offene Ende über diese leichte Schwäche nicht hinweg täuschen kann, da so im Kontext zum restlichen Film ein viel zu offensichtliches Happy End entsteht.

Charaktere:

Helen ist ganz klar der Dreh- und Angelpunkt des Films, kein Wunder, bezeichnete Autorin Charlotte Roche die Figur doch als ziemlich autobiographisch, daher musste auch eine Schauspielerin gefunden werden, die die Rolle mit der nötigen Tabulosigkeit aber auch Sympathie ausfüllen würde, da der Film sonst schon in vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Mit der Schweizerin (!) Carla Juri fand man dann meines Erachtens aber Jemanden der genau diese wichtigen Aspekte der Rolle glaubhaft und mit dem nötigen Charme spielen könnte und dazu noch paradoxerweise extrem unschuldig wirkte. So ist es dann auch einzig ihrer Leistung zu verdanken, dass ich dem Film sicher genügend Pluspunkte abgewinnen konnte um ihn mindestens von einem schauspielerischen Standpunkt gut zu finden. Da Helen im Film sowohl als Off-Erzählerin wie auch als Hauptfigur fungiert und auch die Handlung die ganze Zeit über auf sie gerichtet ist ohne, dass man sich gross mit einer Nebenhandlung aufhielt, gerieten da die Nebendarsteller ziemlich schnell in den Hintergrund und ich diese eigentlich nur als blosse Cameo Auftritte war nahm.

Fazit:

Wie kann man in der heutigen Zeit überhaupt noch schockieren? Haben wir durch Internetpornographie und die Möglichkeiten von sozialen Medien nicht schon genug Widerlichkeiten gesehen und verbreitet um genug abgehärtet zu sein, dass uns ein solcher Film nicht mehr schockieren kann? Möglich, sogar ziemlich wahrscheinlich aber bei einem Kinofilm für den man dann doch einen gewissen Eintrittspreis bezahlt, ist halt die Niveau- und Hemmschwelle immer noch ein bisschen grösser als wenn man sich ziellos durchs Darkweb bewegt und so schockiert oder zumindest provoziert der Film dann doch auf eine gewissen Weise wobei er genauos mit einer soliden Geschichte und einer mehr als tollen Hauptdarstellerin überzeugt. Schockierend also? Europäisch würde es wohl eher treffen und so können wiruns jetzt erst einmal zurücklehnen und auf das amerikanische Remake warten, doch wenn ihr mich jetzt entschuldigt ich gehe mal eine Spinatpizza essen.

Review Rating 6.0

6/10

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4 Responses to “Wir reden über: Feuchtgebiete”


  1. 1 Dos Corazones September 1, 2013 um 1:16 pm

    Na dann guten Hunger – und vergiss nicht oft genug bei der Pizzeria anzurufen 😉

    Ich gebe dir auf jeden Fall recht, dass einige der Ekelszenen voll auf Schock ausgerichtet sind und weniger bis gar nicht zur Unterstützung der Handlung. Andererseits gibt es aber auch genug Beispiele, die mit der Story klug verbunden werden. Meine Highlights waren aber ohnehin die träumerischen Passagen, in denen Gegenwart, Fantasie und Vergangenheit verschmelzen.

  2. 3 spanksen September 3, 2013 um 12:31 pm

    “Wenn man Schwänze, Sperma und andere Körperflüssigkeiten ekelhaft findet, kann man es mit dem Sex auch gleich bleiben lassen!”

    Gut, dann kann ich ihn mir ja beruhigt angucken 😉


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