Wir reden über: The Lone Ranger

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„If we ride together, we ride for justice. – Justice is what I seek, Kemosabe.“

Ich mag Western und ich mag (Super) Helden, deshalb gehören vor allem The Mask of Zorro aber in gewissem Masse auch The Legend of Zorro zu meinen all Time Favourites. Dieses nicht allzu gross aufgebauschte Actionkino, dass sich nicht zur sehr auf ein Effektfeuerwerk versteift, aber doch äusserst unterhaltend ist, sagt mir eigentlich immer zu. In gewisser Hinsicht kann man auch die Pirates Filme als solche betrachten, zumindest deren erster Teil, der sich ebenfalls mehr darauf konzentriert hat vor allem mit seinen Charakteren und nicht mit übermässigem Knallbumm zu punkten. Als ich gehört habe, dass Gore Verbinski, seines Zeichens Regisseur, der ersten drei Pirates Filme, das Projekt The Lone Ranger übernimmt war ich schon voller Vorfreude, da ich wirklich so eine Art Mischung aus Zorro und Pirates erwartet habe, zumal Johnny Depp noch für die Rolle des Tonto verpflichet wurde. Doch selbst wenn mir The Legend of Zorro und Pirates of the Caribbean: At World’s End nicht so sehr gefallen haben wie ihre Vorgänger, wäre eine Kombination aus diesen zwei immer noch besser gewesen als das was mir dann gestern vorgesetzt wurde.

Story:

Nachdem in der texanischen Stadt Colby der Grundstein zu einem kontinentumspannenden Eisenbahnnetz gelegt wird, kehrt der Staatsanwalt John Reid nach langer Zeit wieder in seine Heimatstadt zurück. Doch während der Fahrt dorthin, gelingt dem ebenfalls im Zug befindlichen Schwerverbrecher Butch Cavendish überraschend die Flucht. Zusammen mit einem weiteren Häftling, dem Eingeborenen Tonto nimmt John sofort die Verfolgung auf doch Cavendish kann sich seiner Verhaftung dennoch entziehen. Während eines späteren Suchtrupps nach diesem gerät John mit seinem Bruder in einen Hinterhalt, wobei dieser dabei von Cavendish getötet wird. Ebenfalls für tot gehalten wird John kurze Zeit später von Tonto beerdigt doch kommt er aufgrund einer leichten Schussverletzung schnell wieder zu sich. Tonto der aber jetzt glaubt John sei von den Toten zurückgekehrt nennt diesen fortan „Spirit Walker“ einem dem Tod nichts mehr anhaben kann. Gemeinsam versuchen sie nun Cavendish das Handwerk zu legen, da hinter seinem Treiben offenbar mehr steckt als nur bloses Banditentum aber auch weil Tonto selbst noch eine Rechnung offen hat.

Stil:

Wie gesagt klingt Pirates meets Zorro eigentlich ziemlich vielversprechend, umso enttäuschter war ich dann als ich hörte, dass der Film in Amerika so überhaupt nicht an der Kinokasse punkten konnte. Nun gut, dachte ich mir, es gibt genügend andere Filme, wie zum Bespiel Scott Pilgrim oder Sucker Punch die auch nicht der Masse gefielen, mir aber dafür umso mehr und ich mich sowieso generell nie von Box Office Ergebnissen beeinflussen lasse. Doch was ich mir dann gestern Abend ansehen durfte oder besser gesagt musste war wirklich nicht das gelbe vom Ei, besonders da mir bisher eigentlich alle Filme von Regisseur Verbinski immer ziemlich gefielen, ja wie gesagt auch Pirates of the Caribbean: At World’s End. Doch es kristallisierte sich schon in den ersten paar Minuten heraus was das eigentliche Problem des Films war und das ist ganz klar die fehlende Führung. Viel zu viele Male wurde die Handlung mit irgendwelchen unnötigen Szenen aufgehalten, die man ohne Probleme aus dem Film hätte entfernen können, ohne dass die Geschichte selbst dabei zu Schaden gekommen wäre, im Gegenteil diese sogar noch vorangetrieben hätte. Wobei die Story selbst dann auch eigentlich sehr schnell erzählt ist und man sie vorher auch mehr als einmal gesehen hat.

Charaktere:

Der Film trägt ja ganz gross den Titel The Lone Ranger, doch eigentlich wären Tonto oder zumindest The Lone Ranger and Tonto weitaus passendere Titel gewesen, da Johnny Depp definitiv wieder die meiste Spielzeit in Anspruch nimmt, zumal die Geschichte ja auch aus der Perspektive seines älteren Ichs erzählt wird (was die Frage aufwirft wie er Dinge wissen kann bei denen er gar nicht persönlich dabei gewesen war…nah ich denke wieder zuviel). Das Argument des Rassismus weil Depp einen Indianer spielt, lasse ich natürlich nicht gelten, da zumindest wir Europäer dies uns schon seit Pierre Brice gewöhnt sind. Dennoch geht seine Vorstellung eher in Richtung „Noch betrunkener Jack Sparrow“ und teilweise eher merkwürdig anstelle von lustig war obwohl seine Darbietung zusammen mit Wiliam Fitchners Butch Cavendish noch die Beste im Film war. Armie Hammer wird ja bereits jetzt schon als möglicher, zukünftiger Batman gehandelt doch nachdem ich diesen Film nun gesehen habe, muss ich sagen bitte nein! Der Mann hat genau wie Ryan Reynolds in Green Lantern nur das Gesicht aber nicht den Charme eine Maske zu tragen und kommt den ganzen Film niemals über das Charisma eines Pfandfinderführers hinaus, zumal ich niemandem der im Wilden Westen lebt, abkaufe, dass er Zitat „nicht an Waffen glaubt“. Helena Bonham Carters Rolle als Bordellbesitzerin Red, wurde dann auch auf Filmpostern grösser verkauft als sie dann schlussendlich war, obwohl auch sie eigentlich noch etwas vom Besseren im Film war.

Fazit:

Was ist hier schief gelaufen? Klar Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides war schlecht aber dort war ja Verbinski gar nicht mehr mit dabei und auch sein letzter Film Rango war toll, zumal es für ihn ja viel schwieriger war einen guten Film basierend auf einer Disneyland Attraktion oder mit einem schizophrenenen Chamäleon zu machen als mit den genügend, in der Form von Radiohörspielen, Fernsehepisoden oder Comics, vorhandenen Lone Ranger Geschichten aus dem Vollen zu schöpfen. Die einzige Erklärung dafür ist sicher, dass man dem Regisseur viel zu wenig Freiheiten liess und der Produzent, in diesem Falle Jerry Bruckheimer, alle Fäden in der Hand halten wollte. Was dabei herausgekommen ist haben wir jetzt gesehen und der Film riss dem Mutterhaus Disney ein gewaltiges Loch in die Kasse (das man aber aufgrund der äusserst erfolgreichen Marvel Franchisen schnell wieder stopfen konnte), dennoch ist ein zweiter Teil höchst unrealistisch und das ist auch gut so, denn von Western Feeling spürt man hier herzlich wenig. Wer sich also einen
guten Western mit Johnny Depp ansehen will, dem sei wärmstens Dead Man empfohlen und alle anderen sollen sich einfach noch mal Winnetou oder Der Schuh des Mannitu anschauen, da ist definitiv mehr Unterhaltung garantiert.

Review Rating 4.0g 4/10

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11 Responses to “Wir reden über: The Lone Ranger”


  1. 1 Jan August 11, 2013 um 12:09 am

    Schade, immer mehr sehr negative Kritiken zu dem Film zu lesen – allerdings würde ich lügen, hätte ich nicht auch damit gerechnet. Dafür haben mich ohnehin schon zu viele Filme dieses Jahr enttäuscht.

    Dass „The Lone Ranger“ am Box-Office floppte, habe ich zuvorderst immer dem Genre angerechnet (Western sind einfach nicht zeitgemäß momentan) – doch es scheint wohl auch an mangelnder Qualität oder zumindest Originalität zu liegen…

    • 2 maloney August 11, 2013 um 11:44 am

      Stimmt, nicht gerade viele grosse Blockbuster konnten mich dieses Jahr überzeugen, einzig Iron Man 3 und Pacific Rim waren richtig gut.

      Ich würd nicht sagen, dass die Schwächen des Films in seinem Genre lagen immerhin sind Django oder True Grit auch Western und die waren richtig toll. Man wollte halt einfach zuviel in den Film hineinpacken und dabei noch Johnny Depp möglichst viele Komik Momente bieten was hier definitiv misslungen ist.

      • 3 Jan August 13, 2013 um 3:39 pm

        Klar, es gibt auch vereinzelt Western, die gut funktionieren UND am Box-office Erfolg haben. Aber alleine die geringe Anzahl vor allem der Western, die das zweite Kriterium erfüllen, hält sich derzeit sehr in Grenzen.
        Macht aber nix. Ich muss ohnehin noch die Klassiker des Genres nachholen – dann bin ich auch für neue Western bereit 😉

        • 4 maloney August 13, 2013 um 4:13 pm

          Welche jüngeren Beispiele gibt’s denn noch für schlechte Western alle bisherigen fand ich eigentlich ziemlich gelungen (bis auf Jonah Hex vielleicht)

          • 5 Jan August 14, 2013 um 12:00 pm

            Ok, wir sollten irgendwie von dem „schlechten Western“ wegkommen 😉
            Mir geht’s tatsächlich mehr um die Beispiele, die im Vergleich zu den anderen Blockbustern nun wirklich nicht gut an den Kinokassen wegkamen. True Grit lief wohl noch ganz gut, Cowboys & Aliens war ein mittelgroßes Desaster (Einspielergebnisse betrachtet), 3:10 to Yuma lief ebenfalls unter Wert.

            Die große Masse der Kinozuschauer ist derzeit nicht wirklich an den Geschichten des Genres interessiert. Dass Disney versucht mit einem gigantischen Budget ähnlich wie bei der PofC-Reihe im Piratenfilm eine Ausnahme aus dem Boden zu stampfen, ist meiner Meinung nach naiv.

            So, das war jetzt alles ohne Wertung der einzelnen Filme, dies sind nur die Beispiele aus den letzten Jahren, die meiner Meinung nach zeigen, dass das Western-Genre noch längst nicht bei seiner alten Zugkraft beim Publikum angelangt ist.

          • 6 maloney August 14, 2013 um 2:06 pm

            Gut der erste Pirates Film war ja anfangs auch ein Risiko für Disney aber da war ja das Budget noch wesentlich kleiner.

  2. 7 donpozuelo August 12, 2013 um 10:01 am

    Ja, zu etwa dem gleichen Urteil und zur gleichen Punktzahl komme ich auch. Echt ein wenig schade… ich wünsche Johnny Depp echt auch mal wieder ein paar andere Rollen, die nicht immer dem gleichen „Beute-Schema“ entsprechen.

  3. 9 Verena August 14, 2013 um 12:48 pm

    Ja, ich war auch enttäuscht (und hatte im Vorfeld übrigens keinerlei Kritik dazu gehört). Sei es Johnny Depp als Jack Sparrow im Indianer Kostüm, die leider meist unwitzigen Sprüche von Armie Hammer (war die Übersetzung Schuld?) und vor allem die Albernheiten wie die Killer Bunnys (Hallo Monty Python?) und das Seelenpferd (hust), die für eine schöne Geschichte zu albern waren und für einen abgedrehten Film zu inkonsequent eingesetzt wurden.

    Nix Halbes und nix Ganzes :/

    • 10 maloney August 14, 2013 um 2:05 pm

      Die Killerbunnies fand ich auch ziemlich komisch zumal sie einfach mal auftauchten dann genauso schnell wieder weg waren.

      Den Schlusssatz kann ich so voll und ganz unterschreiben 😉


  1. 1 Wir reden über: Elysium | The Sweet Nonsense Trackback zu August 20, 2013 um 9:23 pm

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