Wir reden über: Himmelfahrtskommado

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„Ab sofort absoluts Redeverbot für alli wo nöd einigermasse Englisch chönd, susch fliegemer grad uf…in that case, we fly up!“

Geld ist ein nötiges übel, es verleitet die Menschen manchmal dazu, die wahn- und irrsinnigsten Dinge zu tun. Es zwingt die Menschen zum Beispiel sich fast jeden Tag früh morgens aus dem Bett zu quälen und danach eine Arbeit zu verrichten, die man eigentlich überhaupt nicht leiden kann, nur um sich die Butter auf dem Brot zu finanzieren. Dass man für Geld auch plötzlich und manchmal über Leichen geht, sollte den meisten Menschen ebenfalls allgemein bekannt sein. Im für mich am vielversprechendsten Schweizer Film des Jahres Himmelfahrtskommando nahm sich Jungregisseur Dennis Ledergerber nun der Frage an was passiert wenn ein ganzes Bergdorf durch einen Aneinanderreihung von ein paar unglücklichen Zufällen zu Geld kommt und dieses nun nicht mehr aus den Händen geben will.

Story:

Als sich im kleinen Schweizer Dorf Gottlingen, die Mitglieder einer amerikanischen Kommune/Sekte niederlassen wollen und die Gemeinde durch deren Zahlungen plötzlich aus einer wirtschaftlichen Misere gelangen würde, sind natürlich sofort (fast) alle Einwohner plötzlich Feuer und Flamme. Doch genau in diesen, gehen einige Tage später aller Kommunenmitglieder auf, als sie mit ihrem Kleintransporter einen Unfall bauen und dabei ums Leben kommen. Schwer bestürzt über den Personen- und noch mehr über den Geldverlust sieht der Gemeindepräsident schon seine geplanten Investitionen den Bach runter gehen, doch als er per Zufall das halb bezogene Haus der Verstorbenen betritt findet er dort nicht etwa Hanfkekse oder Freundschaftsbändchen, sondern mehrere Koffer voller Geld, die man dann als grosszügige Spende verbucht und doch grosszügig in die Gemeindekasse investiert. Als aber dann weitere Sektenmitglieder aus den USA ihre Kollegen hier besuchen wollen, bricht plötzlich Panik aus und man versucht den Vorfall so gut wie möglich zu vertuschen, wobei aber plötzlich eine unheilvolle Kettenreaktion in Gang gesetzt wird.

Stil:

Ich überlegte mir zuerst schon zweimal ob ich mir doch wiedermal einen Schweizer Film antun sollte, ist doch meine letzte Unterstützung des heimischen Kino, mit Das Missen Massaker, ein ziemlicher Griff ins Klo gewesen. Doch der Trailer machte mich dann, mit seinen schnellen Schnitten die fast ein bisschen an Tarantino oder Edgar Wright erinnerten, doch ein bisschen neugierig. Da sass ich nun mit sehr runtergeschraubten Erwartungen im Kino um ja nicht in meinen filmischen aber noch viel wichtiger in meinem heimatlichen Stolz nicht schon wieder verletzt zu werden. Doch schon die ersten paar Minuten des Films liessen Hoffnung aufkeimen die dann auch den ganzen Film über nicht zerschmettert wurden, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Dingen im Film selbst. Regisseur Ledergerber macht schon in dem Punkt sehr viel richtig, dass er dem Publikum nicht einfach eine lineare Handlung vorsetzt, sondern nur Stück für alles auflöst und dadurch auch gerne mal im Handlungsablauf hin- und her springt um den Zuschauer bei Spannung zu halten. Mit einem Budget von gerademal 100’000 CHF spielt der Film natürlich auch in keinster Weise auf einem Hollywoodniveau mit, wie es eben halt Missen-Massaker, mit seinen exotischen Schauplätzen versuchte, weshalb man sich auf einen relativ kleinen Raum,  also in dem Fall Gottlingen (oder welche Gemeinde auch immer als Drehort herhalten musste) beschränkte aber das Ganze dadurch trotzdem keineswegs billig wirkte und der Film vor allem von Details und Dialogen lebt, die anders als man dies von anderen helvetischen Produktionen kennt, überraschend skurril, bestechend und satirisch daherkamen.

Charaktere:

Auch wenn der Film mit den beiden Volkskomödiaten Bea Schlatter und Walter Andreas Müller (hier übrigens in seiner ersten Kinorolle, in seiner bald 30 jährigen Schauspielkarriere) zwei grosse Aushängeschilder des einheimischen Theater- und Filmschaupielerverbandes verpflichtet hat lässt der Film auch genügend Platz für weitere Charaktere. So beweist Andreas Zogg nach Sennentuntschi erneut, dass er durchaus das Zeug zum Charakterschauspieler, mit Hang zum psychotisch-neurotischen hat. Durch den relativ kleinen Cast wirkt der Film auch fast wie ein Theaterstück auf der lokal Bühne, was ihm doch auch wieder etwas heimeliges (naja zeitweise) verleiht aber doch auch wieder mit gutplatzierten und schnellen Schnitten überzeugt, die dadurch aber auch wieder den Independenttouch unterstreichen.

Fazit:

Nach verlassen des Kinos war ich nach langen (das letzte mal war es bei Mein Name ist Eugen) wieder mal von einer einheimischen Filmproduktion begeistert, weshalb ich es nicht nachvollziehen kann, wieso der Film zu keiner anständigen Zeit innerhalb der Stadt Zürich gezeigt wird. Naja anyways ich hab ihn gesehen und bin sehr froh darüber, Regisseur Dennis Ledergerber und Drehbuchschreiber/Autor Stefan Millius (dem man übrigens hier auf Twitter folgen kann) haben es geschafft eine herrlich Schwarze Komödie zu inszenieren, wenn richtig Vermarktet sicher nicht nur Schweizern gefallen sollte, doch da ich halt persönlich eben doch zu dieser Volksgruppe gehöre fühle ich mich verpflichtet den Film dafür zu loben wieder mal in mir den Heimatstolz ein wenig hervor geholt zu haben…auch wenn Millius selbst den Film als „unschweizerisch“ bezeichnet hat.

Review Rating 8.0

8/10

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6 Responses to “Wir reden über: Himmelfahrtskommado”


  1. 1 Jessica März 30, 2013 um 10:57 am

    Juhuu! 🙂

  2. 3 Charles Schnyder März 31, 2013 um 2:48 am

    Tönt spannend, werde ich mir zu Gemüte führen 🙂


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