Wir reden über: Frankenweenie

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„Nobody likes scientists. – They like what science gives them, but not the questions, no. Not the questions that science asks. – Actually, I have a question. – He, he. That is why you are a scientist.“

Tim Burton hat es momentan nicht leicht, der Mann hat mit seinen letzten beiden Projekten, Alice in Wonderland und Dark Shadows nicht nur die Kritiker, sondern auch einen Grossteil seiner Fans, darunter auch mich, ziemlich wütend gemacht. Kein Wunder also setze es also bei seinem neusten Film Frankenweenie auf alte bewährte Werte. Nicht nur, dass der Film ein Remake seines allerersten Kurzfilms, mit dem selben Namen ist, sondern wurde der ganze Film auch in Stop-Motion Technik umgesetzt, mit welcher Burton ja schon bei The Nightmare Before Christmas oder Corpse Bride punkten konnte. Ob sich dies auch auszahlte, sollte sich mir gestern, angesichts eines beinahe einmaligen Special Screenings offenbaren, da die Filmverleiher in der Schweiz offensichtlich selbst nicht sonderlich von dessen Erfolg überzeugt waren.

Story:

Der kleine Victor Frankenstein lebt zusammen mit seinen Eltern und seinen Hund Sparky in der beschaulichen Vorstadt New Holland. Victor ist einzelgängerisch, liebt es Filme zu drehen und ist sehr der Wissenschaft zugetan. Als sein Vater in einem Versuch, ihn ein bisschen mehr sozial kompatibel zu machen, zu einem Baseballspiel mitnimmt gelingt es Victor zufällig einen Home Run zu schlagen. Doch beim Versuch dem Ball hinterherzujagen, der weit übers Spielfeld hinaus auf die Strasse fliegt, wird Sparky von einem Auto angefahren und dabei getötet. Victor, dessen einziger Freund Sparky war, ist natürlich wegen dieses Verlustes komplett am Boden zerstört. Durch einen Vortrag von seinem Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski, erfährt er aber, dass leblose und tote Körper mit Elektrizität wieder bewegt oder sogar zum Leben erweckt werden können. Sogleich macht sich Viktor daran in seinem Dachboden ein Labor einzurichten um dort seinem geliebten Sparky wieder Leben einzuhauchen können.

Stil:

Der Film trägt wohl wie lange kein Film von Burton mehr, dessen Handschrift. Man merkt, dass er hier ganz klar versucht hat wieder zu seinen Wurzeln zurück zu kehren und wieder einen Film zu machen, der sowohl liebenswerte aber manchmal fast ein wenig naive Charaktere in einer beinahe perfekten Vorstadtidylle zeigt, deren Leben durch mysteriöse Ereignisse durcheinander gebracht wird und ihnen dabei der Spiegel mit ihrem eigenen Verhalten vorgehalten wird, wie er dies schon in Filmen wie Beetlejuice oder Edward Scissorhands getan hat. Der Film ist natürlich eine klare Hommage an die klassische Geschichte von Dr. Frankenstein und seinem Monster, was spätestens bei Viktors Nachnamen klar werden sollte, doch auch sonst  hat man mit Anspielungen auf andere Horrorfilme nicht gespart, so schauen sich Viktors Eltern zum Beispiel einen Ausschnitt aus Dracula mit Christopher Lee an oder als die anderen Kinder ebenfalls versuchen ihre toten Haustiere wieder zu beleben, enstehen Kreaturen, die zum Beispiel an die Gremlins oder Gamera aus den Godzilla Filmen erinnern.

Charaktere:

Das Charakterdesign ist ebenfalls unverkennbar Marke Burton, wobei man mit diesem aber auch auf Figuren aus seinen Vorgängerfilmen und/oder anderen Horrorfilmen anspielte. So ist Mr. Rzykruski ganz klar im Vorbild von Vincent Price gestaltet worden, den Burton ja schon seit seiner Kindheit verehrt oder Winona Ryders Rolle ist eigentlich nur eine Neuinterpretation ihres Charakters Lydia Deetz aus Beetlejuice. Was ich Burton hier hoch anrechne möchte, ist, dass er diesmal komplett auf Johnny Depp und Helena Bonham Carter verzichtete, die seit Charlie and the Chocolate Factory in all seinen Filmen mitgespielt haben, und lieber auf Newcomer Schauspieler wie Charlie Tahan als Victor Frankenstein oder Atticus Shaffer als Igor Verschnitt Edgar setzte. Aber auch Stars die in Burtons frühen Filmen häufige Gäste waren wie Martin Landau oder die bereits erwähnte Win0na Ryder  dürfen hier wieder einmal für ihn ihr Schauspiel oder eher ihr Sprechtalent vortragen. Charaktertechnisch kann man sicher niemanden einem Vorwurf machen, denn die Figuren sind alle durchs Band, witzig, liebevoll und interessant, wobei dann aber manchmal fast zu viele von ihnen auftauchen und man durch die begrenzte Spielzeit kaum etwas über diese erfährt, wobei aber dies originelle Design und witzige Dialoge aber schnell wieder wett machen.

Fazit:

Obschon Burton nicht mehr das Ansehen unter seinen Fans geniesst, wie er es noch in den 90ern tat, beweist er mit diesem Film, dass er durchaus noch ein wenig von seinem alten, morbiden Vorstadtmärchenzauber übrig hat und sei es nur deshalb, weil es sich hier um ein Remake seines eigenen Kurzfilmes handelt. Die Animation ist liebevoll gestaltet, die Charaktere überzeugend und witzig und die Story zieht sich nicht unnötig in die Länge, wie es zum Beispiel noch bei Dark Shadows der Fall war. Wenn Burton wieder mehr solche Filme abliefert bin ich mir sicher, dass viele seiner Fans wieder zu ihm zurückkehren und ihm weiterhin die Stange halten.

Review Rating 8.0

8/10

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10 Responses to “Wir reden über: Frankenweenie”


  1. 1 -Tyler Durden- (@Pokernatic) Februar 23, 2013 um 12:22 pm

    im Prinzip hätte es der 1. und hochverdiente Oscar für Tim Burton werden müssen. Leider haben Filme wie „Brave“ und „Ralph reichts“ etwas dagegen. Burton würd ich es so sehr vergönnen.

  2. 3 Dos Corazones Februar 23, 2013 um 1:36 pm

    Hier sprichst du mir wieder einmal aus der Seele. „Frankenweenie“ ist eine liebevolle Hommage an den klassischen Horror-Film und zugleich gespickt von typischen Tim Burton-Elementen. Wirkt manchmal fast wie „Edward Scissorhands“ mit Hund und in Stop-Motion, das hat mich aber nicht im geringsten gestört.

    • 4 maloney Februar 23, 2013 um 2:51 pm

      Stop-Motion stört mich eigentlich so gut wie nie, zumal es momentan die einzige wirkliche Alternative zu 3D Animation ist.

      • 5 Dos Corazones Februar 23, 2013 um 3:18 pm

        Oh, sollte das so herübergekommen sein, muss ich das sofort revidieren. Ich bin ein großer Fan dieser Animationstechnik. Ich habe bei Stop-Motion immer das Gefühl, das hinter dem Projekt viel mehr Liebe und Sorgfalt steckt als hinter einem computeranimierten Film.

        • 6 maloney Februar 23, 2013 um 5:32 pm

          Stimmt Stop-Motion ist definitiv die aufwändigste Art einen Animationsfilm zu drehen, weshalb ich dies Burton auch hoch anrechne, dies schon zum dritten Mal zu tun. Aber auch Filme wie ParaNorman oder Coraline sind wahre Schätze.

  3. 7 George Februar 23, 2013 um 6:14 pm

    Schöne Besprechung. Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit – und nutzte sie nicht, als sie sich bot – ihn zu schauen. Aber bald. Hoffentlich.

  4. 8 Julian Februar 23, 2013 um 10:31 pm

    Ich liebe ja den Kurzfilm. Die Figuren im Remake sehen sogar fast genauso aus, wie die Realschauspieler, zumindest scheint es laut Trailer so zu sein. Burton hat ja schon mit Planet der Affen ordentlich Mist gebaut, der Charme der alten Filme verschwand immer mehr, lediglich Charlie fand ich noch großartig.


  1. 1 Media Monday #87 | watched Trackback zu Februar 25, 2013 um 5:58 pm

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