Wir reden über: Zero Dark Thirty

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„It’s cool, that your strong and I respect it, I do. But in the end, everybody breaks, bro. It’s biology.“

Amerika ist der Retter der Welt, egal ob es den Leuten passt oder nicht. Sei es nun wenn die Allierten anführen und Hitler den Arsch versohlen oder wenn sie wieder, wenn auch aufgrund von ziemlich eigennützigen Zielen, gegen die islamische Welt in den Krieg ziehen. Dass bei ihrer Suche nach dem Terrorführer Osama Bin Laden auch nicht wirklich nur darum ging die tausenden Toten des Attentates am 11. September 2001 zu rächen wissen wir alle, trotzdem war diese jahrelange, zuweilen fast aussichtlose Suche eines der wichtigsten Ziele, der beiden Präsidenten Bush und Obama. Über Taktik und Methoden schwieg sich die Regierung lange aus und bis zur Tötung Bin Ladens 2011, wusste man auch nur soviel wie man aus den damaligen Medien erfuhr. Da erscheint es fast ein wenig utopisch, dass The Hurt Locker Regisseurin Kathryn Bigelow, sich diesem Thema in ihrem neuen Film Zero Dark Thirty annahm, doch wie sie auch schon in ihrem oscargekrönten  Vorgängerfilm bewies, scheinen gerade Kriegsfilme die hinter die Fassade der Protagonisten und ihren Methoden blicken ihre Stärke zu sein.

Story:

11. September 2001, bei einem Anschlag auf das World Trade Center in New York sterben über 3000 Menschen. Kurze Zeit später bekennt sich die islamische Terror-Gruppierung al-Qaida zu diesem Attentat. Der damalige Präsident Bush ruft darauf den Kreig gegen den Terror aus und entsendet sogleich Truppen nach Afghanistan und Pakistan um al-Qaida und ihren Anführer Osama Bin-Laden zur Rechenschaft zu ziehen. Die junge CIA-Agentin Maya kommt frisch von der CIA Akademie nach Pakistan und assistiert und leitet später von dort aus die Suche nach Bin Laden, wobei sie dabei äusserst akribisch und zielsicher vorgeht. Doch Rückschläge in Form von Attentaten und falschen Spuren, denen sie nachgeht, treiben sie manchmal fast an den Rand des Aufgebens. Doch aufgrund ihres eisernen Willens und der Tatsache, dass sie eigentlich keinen anderen Lebensinhalt als diese Mission hat, bleibt sie dennoch immer auf Kurs und denkt nicht einmal daran aufzuhören.

Stil:

Jeder der sich Zero Dark Thirty ansehen will, sei gewarnt, der Film ist über grosse Strecken extrem ungemütlich, Folter und Misshandlung der Kriegsgefangene werden schonungslos und fast ohne Zensur gezeigt, zwar nicht in Form von extremer Gewalt aber in vor allem in psychologischer und unterschwelliger Form. Er zeigt ziemlich genau die Methoden auf, mit denen die CIA ihre Gefangenen behandelte, so zum Beispiel, das auch heute noch umstrittene Waterboarding, welches eigentlich um einiges schlimmer ist als manch andere körperliche Foltern. Bigelow versucht hier nicht ein strahlendes oder siegreiches Amerika zu zeigen, im Gegenteil, vielmehr wirkt, vor allem die CIA aber auch Maya selbst, streckenweise wie ein Spürhund der die Fährte verloren hat aber sich dennoch verzweifelt in ihren Knochen verbissen hat. Im Vorfeld wurde dem Film auch Vorwürfe gemacht, islamfeindlich zu sein, doch trotz Folterszenen und dem Thema an sich, hatte ich trotzdem nie das Gefühl, dass Muslime unnötig gewalttätig oder sogar unzivilisiert dargestellt wurden, natürlich immer im Kontextvergleich versteht sich.

Charaktere:

Auch wenn ich weder Tree of Life oder The Help gesehen habe, wusste ich dass mit Jessica Chastain mindestens ein sicherer Wert im Film vertreten sein würde. Vielleicht lag es an ihrem Charme oder an ihrem wallenden Rotschopf aber die Frau hat etwas das einem einfach in ihrem Bann zieht und auch Szenen wie eigentlich normalerweise nerviges Frauengetratsche kommen bei ihr glaubhaft und sogar witzig rüber. Auch sonst beweist Bigelow ein gutes Händchen in der Auswahl ihres Castes, so glaubt man zunächst, dass Jason Clarke die eigentliche Hauptrolle des Films einnimmt, dann aber zu Gunsten von Chastain langsam immer mehr in den Hintergrund rückt und dabei eine knallharte aber genauso überzeugende Rolle spielt. Daneben kommen zwar keine ganz grossen Namen zum Zug aber dennoch überraschen zwischendurch immer wieder Auftritte von Mark Strong, James Gandolfini oder Édgar Ramírez und lassen in diesem doch über weite Strecken sehr bedrückenden Film, wieder aufatmen.

Fazit:

Wie schon erwähnt versucht der Film weder die Amerikaner als Helden noch die muslimische Welt als besonders barbarisch darzustellen, den schon beim Eröffnungstext, wird klar hier wird auf Fakten und nicht auf Fiktion aufgebaut. Wie die Macher an diese gekommen sind, war zwar im Vorfeld des Films ein wenig umstritten doch glätteten sich diese Wogen auch nach kurzer Zeit wieder. Der Film ist Spannung pur und sei es nur wenn es darum geht einen Lamborghini zu kaufen oder ein paar Affen zu füttern. Kathrin Bigelow zeit hier Kriegsgeschehen schonungslos und ohne Make-Up wie es zuvor doch vor allem in Hollywood, bei Filmen wie Saving Private Ryan oder Pearl Harbor der Fall war.

Review Rating 10

10/10

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11 Responses to “Wir reden über: Zero Dark Thirty”


  1. 1 donpozuelo Februar 22, 2013 um 1:35 pm

    Oha, die volle Punktzahl!!! Na gut… Ist halt auch ein Film, der polarisiert. Ich fand ihn gut. Technisch einwandfrei… und Jessica Chastain ist suuuper. Dennoch war mir das alles zu unfilmisch, zu entfernt von all den Figuren. Das hat mich irgendwie sehr gestört… war mir zu sehr wie eine Dokumentation ohne die Interviews.

    • 2 maloney Februar 22, 2013 um 1:39 pm

      Dokumentation echt? Dafür ist doch viel zu viel passiert, besonders am Schluss beweist dieser Film eindrücklich und anschaulich wie man absolut authentische Spannung aufbaut ohne grosses Drumherum, dass das Ganze auf realen Ereignissen basiert gibt natürlich noch zusätzliche Punkte.

  2. 5 Dos Corazones Februar 22, 2013 um 2:29 pm

    Ich bin ja so froh, dass der bei dir auch so gut ankommt. Ohne werten zu wollen, habe ich das Gefühl, dass du sonst eher die großen Actionblockbuster mit solch hohen Tönen lobst. Und „Zero Dark Thirty“ geht ja ganz bestimmt in eine andere Richtung der Inszenierung und ‚Unterhaltung‘, was du hier echt gut beschreibst.

    Der Film ging mir auch richtig unter die Haut – trotz seiner nicht geraden kurzen Laufzeit habe ich mich nie gelangweilt, schon groß.

    • 6 maloney Februar 22, 2013 um 2:41 pm

      Stimmt nicht ganz, Moonrise Kingdom oder The Artist hab ich ja auch ziemlich gelobt. Es ist halt einfach so, dass Blockbuster einfacher zu analysieren sind aber ich bin dem Arthouse Kino genauso zugetan wie dem Mainstream^^

  3. 9 Nummer Neun Februar 22, 2013 um 3:57 pm

    War wirklich ein toller Film, die lange Spieldauer verging recht zügig.

    Was mich als einzigstes etwas gestört hat war, dass die Folterszenen nicht groß bewertet wurden. Weder im Sinne von „nötig, damit das Gute siegen kann“ noch im Sinne von „wie kann man nur, vielleicht sind wir doch nicht die moralisch besseren“. Da drückt der Film sich ein wenig um eine Meinung.


  1. 1 Zero Dark Thirty (2012) | watched Trackback zu Februar 22, 2013 um 2:32 pm

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