Wir reden über: Django

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 „If you’re a coffin maker, you sure did pick a good town to settle“

Neugier bringt einem ja so manchen Ärger aber auch Freude ein. Das Beispiel dass ich heute ansprechen möchte fällt dabei in erstere Kategorie, wobei sich die Neugier da schon seit längerem bemerkbar machte aber ich erst kürzlich dazu gekommen bin sie auch entsprechend zu befriedigen. Schuld daran ist natürlich Quentin Tarantinoseit dem er seinen Südstaaten-Sklaven Western Django Unchained angekündigt hat, da ich nie wirklich dazu gekommen bin, mir den Original Django anzusehen, wobei dies halt eben wie schon erwähnt kürzlich dann aber doch passiert ist.

Story:

Als die junge Maria zuerst von Mexikanern und nachher von den Männern des grausamen Major Jackson an Leib und Leben bedroht wird, kommt ihr in letzter Minute der treffsicherer aber nicht sehr redefreudige Django, der stets seinen Sarg im Schlepptau hat, zu Hilfe. Nachdem beide später in der halbverlassenen Stadt Nogales den Saloon betreten wagt es niemand Maria gastfreundlich zu behalndeln, da sich alle vor Jacksons Rache fürchten. Doch durch Djangos Einsatz unter der Hilfe seines geheimnisvollen Sarginhalts und ein paar Mexikanern scheint Jacksons Herrschaft über Nogales so langsam aber sicher ein Ende gefunden zu haben.

Stil:

Der Handlungsablauf des Films findet eigentlich, bis auf ein paar Ausnahmen, ausschliesslich in Nogales oder in dessen Saloon statt, man könnte jetzt meinen, das würde den Film daher ziemlich im Handlungsspielraum einschränken aber im Gegenteil gerade die Saloonszenen zu Begin des Films gehören mit ihren atmosphärischen Wortwechseln zu den besten Szenen des ganzen Films. Dennoch ist auch für Action reichlich gesorgt, denn Django ist kein Mann der lange fackelt und auch gern mal die grossen Kaliber auspackt, zwar ist die Action und das Blutgespritze weitaus subtiler, als es das beim neuen Django der Fall ist, aber auch hier wird es zwischendurch und vor allem gegen Ende des Films mehr als einmal dramatisch, wobei ich sogar soweit gehen würde und die letzten paar Minuten des Film als eines der besten Filmenden bezeichnen würde, was ich je gesehen habe. Wie es sich für einen echten Italo Western gehört ist die ganze Szenerie natürlich auch im Gegensatz zu seinen amerikanischen Verwandten, weitaus heruntergekommener und Django erinnert mit seinem Sarg, in dieser so trostlosen Landschaft, fast wie der letzte Überlebende einer längst vergangen Rasse von Freiheitskämpfern, was dem Film den zusätzlichen Touch von etwas postapokalyptischen verleiht.

Charaktere:

Auch wenn Franco Nero bis heute in weit über fünfzig Filmen mitgespielt hat, wird er doch wohl bis an sein Lebensende, das Image des Djangos nie los werden. Doch zumindest für mich ist dies mehr als gerechtfertigt, da er hier wohl durchaus die Rolle seines Lebens gespielt hat, er verbindet absolut gekonnt die Attribute des sogenannten „Lone Gun Men“ mit dem Outlaw der eigentlich nur noch den Frieden mit sich selbst sucht, vom dem sogar der grosse Eastwood Angst bekommen könnte, und dabei wie gesagt nicht lange mit dem Finger am Abzug zögert. Gerade die Schiessereien sind, für damalige Verhältnisse absolut präzise gefilmt worden und lassen daher den Film auch nach fast fünfzig Jahren keinesfalls alt aussehen.

Fazit:

Django ist als Film an sich eigentlich ziemlich minimalistisch gehalten, wie gesagt sind Szenerie und Dialoge rar gesät, dennoch kommt man als Western Liebhaber vollkommen auf seine Kosten. Die Colts rauchen mehr als die dreckigen Schornsteine in Nogales, dessen Strassen gegen Ende mit Leichen nur so übersät sind, wobei aber keine davon je in Djangos Sarg landet. Wieso Tarantino eine Liebeerklärung an diesen gemacht, hat lässt sich also ziemlich leicht erraten und auch wenn ich wie gesagt, mir den neuen Django zuerst angesehen habe konnte ich trotzdem erahnen wo die ganzen Anspielungen auf das Original versteckt waren. Knallharte Action mit einem Knallharten Django und wie schon erwähnt vielleicht die beste Schlussszene in einem Film EVER!

Review Rating 8.0

8/10

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9 Responses to “Wir reden über: Django”


  1. 1 donpozuelo Januar 22, 2013 um 10:12 am

    Ein wirklicher toller Film. Wie gut, dass Tarantino uns alle noch einmal daran erinnert hat. Und ja, die Schlussszene ist wirklich großartig. Aber genau so aufregend fand ich den Moment, als man endlich sieht, was eigentlich im Sarg ist.

    Und ich will ja jetzt nichts behaupten, aber diese „Ich schneide dem Priester das Ohr ab“-Szene kennen wir doch in ähnlicher Art und Weise aus einem anderen Tarantino-Film, nicht wahr??? Der gute Mann mag wirklich den Django.

  2. 3 Julian Januar 22, 2013 um 10:03 pm

    Django, Navajo Joe und Leichen pflastern seinen Weg sind großartige Filme, meine 3 Lieblingsitalos. Insbesondere das Ende von Django ist so grandios. Immer wieder Gänsehaut. Brutal, aber irre cool. Die Wertung sehe ich ähnlich. Für 10/10 hängt er zwischendurch zu sehr (und für die 10 gibts ja immer noch Leichen …, der absolut genial ist, aber auf DVD leider im falschen Bildformat zu sehen ist). Mich würde deine Meinung zu Der Mörder des Clans und Rocco, der Mann mit den zwei Gesichtern interessieren, die jetzt endlich mal neu aufgelegt wurden.

    • 4 maloney Januar 23, 2013 um 12:17 am

      Alle drei erhalten ja auch ihre Hommage in Django Unchained, was nur gerechtfertigt ist. Der Mörder des Clans und Rocco wird ich mir sobald ich Zeit habe ansehen^^

      • 5 Julian Januar 23, 2013 um 1:38 am

        Wenn du dich generell für Western interessierst, solltest du dir auch noch unbedingt „Barbarossa“ mit Willie Nelson (!) anschauen. Der ist schwer zu bekommen, lohnt sich aber. Ein sehr dreckiger, trauriger, amerikanischer Western. Und natürlich „Mad Dog – Der Rebell“ mit Dennis Hopper. Der basiert auf einem wahren Fall, ein Justizskandal und spielt in Australien. Übeles Zeug. Ein Mann wird unschuldig eingesperrt, missbraucht und zu guter Letzt verarbeitet der Sheriff hinterher den Sack seines Opfers in einen Geldbeutel (!) oder so. Die Filme sind sehr vom Italowestern beeinflusst. Gut ist auch „Die Ermordung des Jesse James …“. Vor einigen Jahren gab es auf Arte eine große Retrospektive, da gab es einiges zu entdecken.


  1. 1 Wir reden über: Inglourious Basterds « Jason Auric – Sweet Nonsense Trackback zu Januar 30, 2013 um 3:32 pm

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