Wir reden über: Django Unchained

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„How do you like the bounty hunting business?  – Kill white people and get paid for it? What’s not to like?“

Es gibt diese Regisseure, die sich nicht von irgendwelchen grossen Studios für seelenlose Projekte oder Franchisen einspannen lassen und sich immer noch als Künstler sehen und dadurch auch ihre eigenen Projekte verwirklichen wollen. Leider sind diese Regisseure aufgrund von der vorherrschenden Marktwirtschaft in Hollywood und der Furcht vor dem eigenen Talent ziemlich selten geworden. Doch zum Glück gibt es auch heute noch einige wenige Exemplare dieser Spezies und einer davon ist Quentin Tarantino, der von sich selbst behauptet, Filme nur für das Publikum und nicht für die Studios zu machen. Dies zeigt sich auch unter anderem darin, dass er sich für seine Filme Zeit lässt und sich auch mal ausgefallenen Projekten widmet. Eines dieser Projekte ist seine Neuinterpretation des Western Klassikers Django als Südstaaten-Sklavendrama Django Unchained auf das sich die Fans schon seit dessen Ankündigung gefreut haben nicht nur weil Jamie Foxx als Django und Christoph Waltz als dessen Partner gesetzt waren.

Story:

Auf der Suche nach der Mörderbande „Brittle Brothers“ findet der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz  den Sklaven Django, der früher unter den Brittle Brothers auf einer Baumwollplantage gearbeitet hat und daher ihre Gesichter kennt. Mehr oder weniger freiwillig kauft Schultz Django seinen Sklaventreibern ab und bietet diesem für das Aufstöbern und Töten der Brüder die Freiheit an. Doch im Laufe der Zeit gewöhnen sich Django und Schultz aneinander und werden schliesslich Partner, wobei Schultz Django sogar auf der Suche nach seiner von ihm getrennten Frau helfen will. Diese vermuten sie auf der riesigen Baumwollplantage „Candyland,“ des Gutsherrn Calvin Candie, die sie nun mit einen gerissenen Plan befreien wollen.

Stil:

Der Film ist eigentlich nichs anderes als eine pure Liebeserklärung an das Western und Spaghetti Western Genre, wobei dies natürlich hauptsächlich bei Anspielungen auf Filme wie The Wild Bunch, Il grande silenzio, The Good, the Bad and the Ugly oder natürlich den titelgebenden Django aber auch durch schnelle und gezielte Schnitte ersichtlich wird. Wer Tarantino kennt weiss zu Recht , dass er mit dem Blut und der Gewalt nicht gerade sparsam und zimperlich umgeht, dennoch ist dies aber vor allem Anfangs dies trotzdem oder zumindest für seine Verhältnisse nicht der Fall auch wenn es gegen Ende wieder das typische Tarantino Massenmassaker geben wird, wobei aber auch hier wieder die Gewalt teilweise, wie schon in seinen früheren Werken manchmal nur zu rein komödiantischen Zwecken eingesetzt wird. Was sich hier nach Inglourious Basterds auch zum zweiten mal langsam abzeichnet, ist Tarantinos Liebe für fremde Sprachen, wie Französisch, Italienisch und natürlich, auch durch das erneute Mitwirken von Christoph Waltz Deutsch. Beim Soundtrack lieferte man obschon des ziemlich eingeschränkten Themengebietes, dann doch ein äusserst breites Spektrum von toller Musik ab, das vom klassischen Westernsound über die Django Melodie bis hin zu modernen Hip hop reicht, ohne aber jemals unpassend sein. Klar könnte ich jetzt auch auf die N-Wort Debatte zu sprechen kommen aber erstens soll der Film ja Zeitstück sein und zweitens ist dies doch reine Polemik die dem Film nur zu Gute kommt, zudem hätten Weisse ja eigentlich viel mehr Grund den Film zu meiden, da sie etwa 80-90% der Opfer ausmachen…wo fängt also Rassismus an und hört Heuchelei auf?

Charaktere:

Auch wenn Anfangs n0ch Will Smith für die Rolle des Djangos gehandelt wurde, hätte doch wohl keiner diese Rolle mit Coolness und Rachsüchtigkeit ausfüllen können als Jamie Foxx. Der Typ atmet die Coolness geradezu aus und hat wahrscheinlich mit dieser Performance, unter anderem im blauen Spitzenkostüm, nicht nur mich als männlichen Zuschauer, ab und an kurz an seiner sexuellen Ausrichtung zweifeln lassen. Dass Christoph Waltz ein Schauspieler erster Güte ist, weiss man sicher spätestens seit seinem Oscargewinn für die Darstellung des Judenjägers Hans Landa in Inglourious Basterds und auch hier läuft er erneut unter der Regie von Tarantino zu charismatischer und schauspielerischer Höchstchform auf, auch wenn seine Rolle diesmal weitaus friedfertiger ist, sofern man dies von einem deutschen Auftragskiller und Kopfgeldjäger behaupten kann. War vor einigen Jahren Leonardo DiCaprio für mich noch ein rotes Tuch in der Filmbranche und ein Grund, einen Film zu meiden, hat er sich doch spätestens seit Inception meinen vollen Respekt verdient und macht hier als aalglatter Monsieur Candie eine hervorragende Figur, welche wohl seine wahre Berufung, in der Rolle des Bösewichts offenbart. Weitere Hochgenüsse sind natürlich sicher Samuel L. Jackson als schnüffelnder Stephen, Don Johnson als Colonel Sanders Verschnitt Big Daddy, Jonah Hill als KKK Mitglied oder natürlich Original Django Franco Nero, der sogar über die Buchstabierung seines berühmten Rollennamens aufgeklärt wird.

Fazit:

Waren Tarantinos frühere Filme wie Pulp Fiction, Kill Bill oder Inglourious Basterds grandios ist Django Unchained vielleicht sogar unvergleichlich, wenn ich das Wort in diesem Zusammenhang gebrauchen darf.  Auch wenn der Film natürlich alles andere für schwache und leicht erzürnte Gemüter ist Stimmt hier Erwartungsgemäss in Sachen Action, Coolness und Spannung alles, vielleicht manchmal sogar so sehr, dass man als Zuschauer die Spannung gar nicht mehr ertragen kann, wobei man dann 1000fach fürs warten belohnt wird. Bilder, Ausführung und Musik stimmen einfach perfekt überein und Tarantino hat hiermit vielleicht sein bestes Werk abgeliefert. Zudem ist es schön, dass nach True Grit, Cowboys and Aliens und Rango ein weiterer Film in meiner Generation ein würdiges Denkmal für das von mir so geschätzte Westerngenre hinterlässt.

Review Rating 10

10/10

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39 Responses to “Wir reden über: Django Unchained”


  1. 1 Nils Januar 19, 2013 um 1:24 am

    Knallharte 10/10!
    Berechtigt und nachzuvollziehen aber grade hier nur im O-Ton, der Leo und sein stummer Totenschädel kommen nur im englischen unter die Haut.

    Der 2. Teil von Quentin’s seiner Sklaven Trilogie, wusstest du des scho?

    • 2 maloney Januar 19, 2013 um 1:28 am

      Mehr als Knallharte 10/10! Solche Filme darf man sich auch NUR im O-Ton ansehen, zumal es ja immer wieder ein Hochgenuss ist von englisch zu deutsch zu Switchen, wenns den so angelegt wurde.

      Wie? Wo? Was? Klär mich auf!

  2. 4 Nils Januar 19, 2013 um 1:58 am

    Killer Crow ist der Name, und Kill Bill 3 wurde nun announced also soll kommen.

    • 5 maloney Januar 19, 2013 um 8:41 am

      Stimmt da war mal was, bin gespannt ob er das weiterverfolgen wird, zumal er mit einen Spin-Off von Inglorious Basterds die Erwartungen sehr hoch setzen wird.

  3. 6 Mister Nick Januar 19, 2013 um 2:43 am

    Stimme deiner Filmkritik und Punktevergabe vollends zu.
    Aber „Pulp Fiction“ ist und bleibt Tarantinos Bestleistung.

  4. 7 Xander Januar 19, 2013 um 9:49 am

    Du setzt die vier Filme auf eine Stufe? Oha.

  5. 8 maloney Januar 19, 2013 um 10:12 am

    @Mister Nick: In Sachen Spannung und Charaktere ist Pulp Fiction sicher überlegen aber wenn es an Action, Humor und szenenwahl geht ist django klar der bessere Film
    @Xander: Taratinos Filme sind auch durchs Band (vielleicht bis auch Jackie Brown) durchs Band auf dem selben (hohen) Niveau!

  6. 13 Dominik Januar 19, 2013 um 3:09 pm

    10/10? akteptabel…weitermachen 😀

  7. 23 Nummer Neun Januar 20, 2013 um 8:40 pm

    Toller Film! Und tolle Schauspieler, die in ihren Rollen aufgehen. Hatten nach dem Film grade noch eine Diskussion, ob er ähnlich viel Gewalt und Blut hat wie seine anderen. Ich war ja der Meinung, hier ist es etwas zurück genommen und beschränkt sich auf vereinzelte Szenen. Um dann in der großen Schießerei natürlich alles voll zu bluten.

    Nur das Ende fand ich etwas… langgezogen. Wenn schon Western, dann muss es halt mit dem großen Showdown enden… und d.h. [Spoiler] diCaprio muss als Oberbösewicht bis zum Ende aushalten und danach ist vorbei. 8/10 würde ich geben.

  8. 24 Dos Corazones Januar 20, 2013 um 10:50 pm

    Ich sage mal sachte, dass 10/10 Punkten etwas überbewertet ist, aber ich lasse dir mal deine Meinung 😉
    Wie schon mal gesagt, hier und da was zu lang und unnötig. Aber trotzdem verdammt unterhaltsam, witzig und super gespielt.

  9. 25 maloney Januar 20, 2013 um 10:54 pm

    @Nummer neun: Ich hatte tatsächlich das die Gewalt hier sparsamer dafür aber um einiges gezielter eingesetzt wurde…aber so läufts halt im Wilden Westen, es wird nicht viel geredet und geschossen aber wenn dann richtig 😉

    @Dos Corazones: Der Anfang von Akt 3 war in der tat vielleicht etwas zu lang gezogen dafür war dann das ende aber um so besser und cooler, wie beim alten Django halt 😀

  10. 26 donpozuelo Januar 21, 2013 um 9:19 am

    Brrrr… wenn ich mir Will Smith in der Rolle vorstelle, wird’s schon ein bisschen gruselig. Ein Glück konnte der nicht, wollte der nicht, was auch immer…. So ist’s auf jeden Fall besser 😉

    Auch wenn mir in diesem Film definitiv der Leo am besten gefallen hat.

    Volle zehn Punkte hätte ich jetzt auch nicht unbedingt gegeben, aber das ist ja halt Geschmackssache. Am meisten hat mich halt einfach nur gestört, dass der gute Jamie unter all den anderen etwas verloren ging… auch wenn er immer noch eine coole Sau geblieben ist 😉

    • 27 maloney Januar 21, 2013 um 12:43 pm

      Da können wir wohl nur Mister Shyamalan danken, dass er den Will zusammen mit sienem Sohn jetzt auf die After Earth mitnimmt 😉

      Leo war grandios, da erstaunt es mich wirklich, dass er dafür keine Oscarnomination erhalten hat…obwohl ich Herrn Waltz diese natürlich auch von Herzen gönne

      • 28 Dominik Januar 21, 2013 um 12:47 pm

        Ich fand Leo gut, aber nicht grandios. Zweifelsohne war er verrückt und brachte genau das gut herüber, aber insgesamt war der Herr Waltz noch ein Quäntchen besser, wenn auch nahezu 1:1 Lauda mit Cowboyhut.

        • 29 maloney Januar 21, 2013 um 12:53 pm

          Würd ich jetzt nicht ganz so sagen. Schultz ist sicher so charmant und sprachbegabt wie Landa aber dennoch gibt es erhebliche unterschiede zwischen den beiden. Schultz ist bei weitem nicht so manipulativ und grausam wie Landa und eigentlich ja kein schlechter Mensch. Zwar bringt er Leute für Geld um, aber wie er ja immer wieder so gern betonte alles im Rahmen des Gesetzes. zudem hasst er die Sklaverei und ist bereit einem Freund ohne grosse Gegenleistung zu helfen.

  11. 35 George Februar 7, 2013 um 6:09 pm

    „Django, der früher unter den Brittle Brothers auf einer Baumwollplantage gearbeitet hat“ – dass den Satz noch niemand aufgeriffen hat.

    Wie auch immer. Großartiger Film, aber die zweifache Verwendung von Gewalt – ästhetisches Stilmittel wie in Kill Bill wann immer es um Westernmotive geht, aber auch schlicht gewalttätig wann immer es um Sklaven geht – habe ich in der Art noch nicht bei Tarantino gesehen und hat mich ernsthaft erschrocken. Die erste lässt sich genießen, die zweite lässt einen den Magen zuschnüren. (Was keineKritik, sondern eine Beobachtung ist.)

    • 36 maloney Februar 8, 2013 um 3:33 pm

      Naja gut ob freiwillig oder nicht Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps 😉

      Tarantino versucht halt mit jedem Film besser zu werden und ich würde sagen das ist ihm hier durchaus gelungen….daher schmerzt es mir jetzt schon im Herzen wenn er in zehn Jahren dann aufhört 😦


  1. 1 VA – Django Unchained | Die Kopfhoerer Trackback zu Januar 20, 2013 um 6:21 pm
  2. 2 Wir reden über: Django « Jason Auric – Sweet Nonsense Trackback zu Januar 21, 2013 um 1:22 pm
  3. 3 Review: Django Unchained (Film) Trackback zu Januar 23, 2013 um 7:53 pm

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