Wir reden über: Krabat (1977)

„Das Müllerhandwerk kannst du bei mir erlernen…aber auch alles andere!“

Es gibt immer wieder gewisse Filme und Bücher, von denen hat man als Kind gehört oder sie vielleicht sogar gesehen oder gelesen aber dann über die Jahre hinweg vergessen, bis man schliesslich wenn man älter ist wieder darauf stösst und einen sogenannten Aha-WTF Effekt hat. Mit Ottfried Preusslers Krabat, welches eine Nacherzählung des sorbischen Buches, Die schwarze Mühle ist, welches wiederrum auf der Volkssage von Krabat dem Zauberer beruht, erging es mir genauso. Ich wusste ich hatte das Buch irgendwo mal in der Schulbibliothek aufliegen sehen und auch mal den animierten Film dazu mal im Fernsehen gesehen doch halt einfach wieder vergessen. Eine echte Schande, den der sowohl der Roman als auch der Film sind wahre Meisterwerke ihrer Zeit und zwischendurch sogar richtig gruselig.

Story:

Als Bettlerjunge hat man es in der Lausitz zwar weniger schwer als anderswo, aber auch dort hält mal der Winter einzug und so muss der junge Krabat zusehen, dass er so schnell wie möglich seinen Magen vollkriegt. Nachdem er mit zwei anderen Waisenkindern zusammen am Drei-Königs-Tag von Tür zu Tür zog um für sein Essen zu singen, wird ihm eines Nachts von einer unbekannten Stimme befohlen, zur schwarzen Mühle am Fluss zu kommen. Nachdem Krabat diesem Ruf Folge leistet, kommt er in der Mühle an und findet dort den Meister vor der ihm vorschlägt ein Müllerlehrling zu werden. Krabat, der darin eine Möglichkeit sieht ein festes Dach über dem Kopf und genug zu essen erhalten, schlägt natürlich ein. Doch schon bald muss er feststellen, dass in der Mühle mehr vor sich geht als nur das reine Mülllerhandwerk und dass der Meister ihm viel mehr lehren wird als die blosse Kunst der Kornmahlens.

Stil:

Den Film als Zeichentrickfilm oder besser gesagt als zweidimensionaler Stop-Motion Film umzusetzen, kam wahrscheinlich nicht von ungefähr, da zur damaligen Zeit, so gut wie keine Möglichkeit bestand die Zaubereiszenen auf eine andere Art und Weise darzustellen. Zwar könnte man der Animation heute zum Vorwurf machen, dass sie klobig, ungenau und wenig detailreich ist aber ich würde genau das als grossen Charme des ganzen bezeichnen. Zu sehen, wie man doch versucht hat mit rotoskoping „Spezialeffekte“ einzubauen ist mehr als faszinierend und spannend zugleich und zeigt, dass weniger doch meistens  mehr ist. Was besonders begeistert sind die Verwandlungsszenen die immer wieder äusserst einfallsreich umgesetzt werden obwohl ich nicht mehr ganz sicher bin ob die Magieduelle auch im Buch vorkamen. Man behält auch stets eine gute Balance zwischen düsteren und fröhlichen Elementen, so startet der Film zum Beispiel doch recht sorglos obwohl wir es doch mit einer recht tragischen Geschichte zu tun haben und kippt erst in eine etwas dunklere Stimmung als Krabat langsam hinter die Geheimnisse in der Mühle kommt.

Charaktere:

Krabat fungiert beinahe den ganzen Film über als Erzähler, wobei ihm dabei im deutschen Christian Brückner (Deutsche Stimme von Robert DeNiro oder Harvey Keitel) seine Stimme leiht, einzig der Meister und Krabat Liebschaft kriegen zwischendurch ein paar eigene Sätze zu sprechen. Krabat wird ähnlich wie im Buch als unschuldiger. manchmal leichtsinniger Junge dargestellt was vielleicht zwischendurch etwas nervig sein kann aber trotzdem bleibt die Figur den ganzen Film über liebenswert. Der Meister ist ein eiskalter Hexenmeister, der einzig seinen eigenen Vorteil im Auge hat und die Lehrlinge zwar nicht wie Sklaven behandelt aber dennoch für seine Pläne missbraucht, dennoch sind aber wie gesagt seine ständigen Verwandlungen herrliche Augenschmäuse und erinnerten mich teilweise an den bekannten Disneyfilm The Sword in the Stone.

Fazit:

Der Film ist ein sehr schönes Beispiel für die achso beliebten tschechischen Märchen, die vor allem in den 70er Jahren entstanden sind und auch wenn es kein Realfilm ist, merkt man dass sie die Macher grosse Mühe gaben die Charaktere einfallsreich und originell zu gestalten. Als Kinderfilm ist er sicher absolut zu empfehlen, da er einerseits eine wichtige Botschaft bereithält und zudem noch äusserst unterhaltsam ist. Erwachsene dagegen werden sicher ihre Freude am speziellen Animationsstil und dem düsteren Unterton haben. Ein tolles Märchen für Jung und Alt, ganz im Sinne von dessen Autor Ottfried Preussler.

9/10

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5 Responses to “Wir reden über: Krabat (1977)”


  1. 1 Julian Oktober 1, 2012 um 8:53 pm

    Ok, cool, ich kannte nur das Buch und die tolle Neuverfilmung. Muss ich mir dann unbedingt auch noch mal anschauen.

  2. 2 donpozuelo Oktober 2, 2012 um 8:19 am

    Oh, den muss ich mir auch mal ansehen. Sogar noch eher als die Neuverfilmung 😉

  3. 3 maloney Oktober 2, 2012 um 10:17 am

    @Julian: Unbedingt lohnt sich nur schön der Bilder wegen
    @don: Ich find beide gut, aber der hier hat noch den Nostalgie Bonus^^

  4. 4 bullion Oktober 2, 2012 um 10:17 am

    „Krabat“ ist eine geniale Geschichte. Ich liebe das Buch. Die Zeichentrick-Verfilmung ist sehr speziell, aber auch sehr atmosphärisch. Man muss sich eben darauf einlassen. Die Neuverfilmung hat mir auch recht gut gefallen, auch wenn sie schon sehr an typisches Fantasykino erinnert hat.

    • 5 maloney Oktober 2, 2012 um 10:19 am

      Stimmt man merkte schon, dass man versuchte auf der Harry Potter/Twilight Welle mitzureiten auch wenn er weitaus solider und düsterer als diese (zumindest der Twilight Mist) daher kommt


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