Wir reden über: V for Vendetta

The only verdict is vengeance; a vendetta, held as a votive, not in vain, for the value and veracity of such shall one day vindicate the vigilant and the virtuous. Verily, this vichyssoise of verbiage veers most verbose, so let me simply add that it’s my very good honor to meet you and you may call me V.“

Mit der Gesellschaftskritik in populären Medien ist es immer so eine Sache, man muss immer den richtigen Mix finden, wenn man zu viel mit dem Zeigefinger wackelt fühlen sich die Leute entweder zu sehr ganz persönlich verletzt oder sie sind durch diese einfach schon im vornherein abgeschreckt und kommt zu wenig von dieser durch, ist das eigentliche Statement, dass man damit abgeben wollte, meistens weitaus weniger stark. Auch wenn Alan Moore in seinem Anti-Faschismuscomic V for Vendetta, mit selbiger mehr als genug um sich schmeisst, ist der Film dazu, doch im Vergleich zu diesem weitaus moderater und weniger radikal ausgefallen und gerade deshalb bei vielen als gutes Beispiel für einen strengen Blick auf konservative Scheinheiligkeit und Fremden- und Homosexuellenfeindlichkeit hängen geblieben

Story:

Als die englische Fernsehangestellte Evey Hammond zufällig von einem maskierten Mann im Guy Fawkes Look, der sich selbst nur „V“ nennt gerettet wird und dabei gleich noch mit ansehen muss, wie er vor ihren Augen, dass Gerichtsgebäude von London den Old Bailey, zu Tchaikovskys Ouvertüre in die Luft sprengt, ist in ihrem Leben nichts mehr so wie vorher. Nachdem V auch im Sender in dem Evey arbeitet für grosse Unruhe sorgt und sich diese dabei selbst in höchste Gefahr begibt, wird sie kurzerhand von V entführt und in seinen geheimen Unterschlupf gebracht und obschon Evey beeindruckt von dessen Charme und den ganzen gestohlenen Reichtümer und Kulturgüter, die er dort angehäuft hat, möchte sie doch am liebsten wieder flüchten, vor allem nach dem sie heraus findet, dass V der Reihe nach hohe Parteimitglieder, der herrschenden Norsefire-Partei umbringt und umbringen wird und sogar vor hat das gesamte Parlament in die Luft zu jagen.

Stil:

Gerade das britische Königreich in eine totalitäre und autokratische Diktatur zu stürzen, war sowohl im Comic wie im Film ein guter Schachzug, da man hier erstens ein Land, dass dieses Problem in eine solche Situation zu geraten, ausser vielleicht im zweiten Weltkrieg, nie zu befürchten hatte und gerade dadurch vor allem in England guten Absatz fand und man sich zweitens deshalb sich so für einmal nicht an Amerika als Schauplatz festkrallte wie es doch sonst meistens der Fall ist. Auch wenn der Film zehn Comicbände abzudecken hat, fühlt sich das Erzähltempo, auch aufgrund oder gerade wegen einigen vorgenommenen Veränderungen, nie gehetzt an. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den Comic eigentlich nur immer überflogen habe aber ich hatte nie Probleme den Film dem Comic gegenüber zu stellen, obschon ich generell find, dass man dies nicht machen sollte, da sich die zwei ganz unterschiedlicher Stilmittel bedienen

Charaktere:

Der Cast wurde überwiegend natürlich aus britischen Schauspielern zusammengesetzt darunter Schwergewichte wie Stephen Fry (no offense) oder John Hurt die natürlich auch durch und durch überzeugen, besonders Fry als zufluchtsbietender, zynischer Talkshow Master. Einen wichtigen Part spielt auch Stephen Rea, als ständig hin und her gerissener Geheimpolizei-Inspektor, wobei ich mir hier gerade die Frage stellen muss warum der Mann nicht mehr Auftritte in grösseren Produktionen hat? Doch die meiste Spielzeit wird natürlich Natalie Portman und Hugo Weaving beansprucht, wobei man beiden wirklich grosses Können und Einsatz attestieren muss. Der Natalie weil sich für die Rolle sogar ihre wallende Lockenpracht abrasiert hat und dabei stets in überzeugenden britischen Akzent sprach und dem Hugo, weil er bis zum Schluss die Guy Fawkes-Anonymus Maske aufbehielt, auch wenn dies der Grund ist warum man zuvor auf James Purefoy als V, verzichtete da dieser zumindest einmal sein Gesicht in die Kamera halten wollte

Fazit:

V for Vendetta gehört sicher zu den besseren Comicverfilmungen der letzten Jahre, auch wenn sie von vielen gar nicht als solche wahrgenommen wird und wie gesagt viel mehr aufgrund der bösen Untertöne gegen Schwulen- und Fremdenhasser in der Erinnerung blieb. Im Gegensatz zu anderen gescheiterten Adaptionen von „weniger populären“ Graphic Novels wie Jonah Hex oder Dylan Dog versuchen die Wachowski Brüder (heute Wachowski-Geschwister) stets der Vorlage treu zu bleiben und nur kleine Handlungspunkte und Figuren zu verändern, die tollen Bilder die dann auf der Leinwand entstanden, wie die Kampfszenen mit V oder der Explosion des Big Bens zu Tchaikovskys Ouvertüre erledigen dann ihr übriges.

8.5/10

15 Responses to “Wir reden über: V for Vendetta”


  1. 1 bullion August 8, 2012 um 2:06 pm

    Ja, toller Film! Fand ich z.B. auch viel gelungener als die andere Moore-Verfilmung „Watchmen“. Geht leider viel zu oft unter, wenn es um gelungene Comic-Verfilmungen geht. Immer wieder gerne gesehen.

    • 2 maloney August 8, 2012 um 2:20 pm

      Watchmen ist ja eigentlich ziemlich gelungen aber man musste einfach, damit es für den Mainstream tauglich war, ziemlich viel kürzen…obschon dann doch wieder eigentlich ziemlich viel drin gelassen wurde

  2. 3 Julian August 8, 2012 um 2:11 pm

    Ich werde berufsbedingt demnächst zu einer Vortragreihe fahren, wo auch V für Vendetta besprochen wird. Ich halte den Film eher für einen 9er Kandidaten, einfach großartig. Interessant, dass Natalie Portman sogar mit Glatze gut ausschaut – absolut erstaunlich! BTW: Wenn du Dylan Dog magst, musst du dir unbedingt den italienischen Horrorfilm „Dellamorte Dellamore“ mit Anna Falci und Rupert Everett anschauen.

  3. 4 Dr. Borstel August 8, 2012 um 2:15 pm

    Wird mal kommentarlos so unterschrieben.

    • 5 maloney August 8, 2012 um 2:22 pm

      @Julian: Eine 9 ist dann doch fast ein bisschen zu viel…wieso will mir jetzt aber nicht einfallen 😀 und von Dylan Dog kenn ich nur den Film und der ist SCHEISSE!
      @Dr.Borstel: Ist das nicht einer?

  4. 6 donpozuelo August 8, 2012 um 4:40 pm

    Ich stimme bullion zu: Die bessere Moore-Verfilmung. V wie Vendetta hat mir echt gut gefallen. Der Comic ist aber auch nicht zu verachten.

    • 7 maloney August 8, 2012 um 5:10 pm

      Dagegen stehen ja nur Watchmen und LXG…wobei mir wie gesagt erster durchaus gefiel und über die Liga müssen wir hier gar nicht diskutieren :D…From Hell sehe ich übrigens nicht als Comicverfilmung sondern als soliden Thriller

  5. 8 ReservoirHog August 8, 2012 um 9:09 pm

    Die Erinnerung an diesen Film lässt meine Vorfreude zu „Der Wolkenatlas“ noch größer werden. Die Wachowski-Geschwister wissen einfach Stil und Inhalt massentauglich zu kombinieren.

  6. 12 spanksen August 9, 2012 um 8:17 am

    Hat mir auch sehr gut gefallen

  7. 14 germanpsycho (@germanpsycho) August 22, 2012 um 5:28 pm

    Sorry, wenn ich noch auf so einen alten Blogpost antworte, aber ich würde gerne (natürlich! Der Psycho wieder!) eine andere Sichtweise darlegen.

    Ich fand V for Vendetta natürlich auch einen guten Film. Er ist dramaturgisch hervorragend, sehr gut gefilmt, super gespielt.

    Aber: Er dreht die Aussage der Comics auf den Kopf, und das finde ich eigentlich sehr, sehr bedauerlich. Das Comic war etwas ganz Besonderes, weil es eben nicht nur einen einseitigen Blick „Held gegen faschistisches Regime“ bietet, sondern im Gegenteil, aufzeigt, wie nahezu jeder der handelnden Figuren für sich Rechtmäßigkeit in seinen Handlungen beansprucht: Der Diktator ist sich nämlich gar nicht bewußt, daß er eine menschenverachtende Diktatur aufgebaut hat, sondern glaubt ja, daß das Volk ihn liebe, weil er zwar aus seiner Sicht harte, aber eben notwendige Entscheidungen durchgesetzt hat, die letztlich dem Wohle aller dienen.

    Der Einziger, der weiß, daß seine Handlungsweisen inakzeptabel sind, ist eben V. Er weiß, daß seine Revolution am Ende eventuell einen neuen Diktator hervorbringen könnte – ihn selbst. Weswegen er unbedingt sterben muß. Er weiß, daß jeder Mensch, egal wie gut seine Absichten sind, korrumpiert werden kann durch Macht.

    Die Ironie, daß eine Menschenmenge in den Masken eines katholischen Extremisten auftritt, und zwar alle im gleichen Outfit, um für eine indivuduellere Gesellschaft zu demonstrieren, zeigt eben die Beeinflußbarkeit von Menschen, die zu Monstern werden können, wenn sie nur glauben, für „das Gute“ zu kämpfen.

    Nämlich genauso wie die Diktatoren, gegen die es in der Hauptstory geht.

  8. 15 germanpsycho (@germanpsycho) August 22, 2012 um 5:30 pm

    Und genau das ändert der Film. Im Film ist V „der Gute“. Derjenige, der gegen einen eindeutigen Feind kämpft; und dieser Feind ist durch und durch böse.

    Das nimmt der Story das Besondere. Dann wird die Zerstörung zum großen Spaß und die Revolution zu einem Befreiungskampf, der letztlich siegreich für das Gute endet. Und damit ist der Film letztlich auch nur ein weiterer Superheldenfilm, zugegebenermaßen aber ein gut gemachter.


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