Wir reden über: Mein Name ist Eugen

„Mier gönd jetzt uf Züri! – Spinnsch? Weisch wie gfährlich isch das? Mim Vater händs det am Sächsilüüte s’Portemonnaie klauet!“

Dass die Schweiz ist ein kleines Land ist, damit haben wir uns ja hier schon länger abgefunden auch wenn wir hin und wieder grosse Dinge und Personen hervorbringen. Dementsprechend klein ist daher aber auch unsere Filmindustrie, die zu alledem noch zum grössten Teil aus staatlichen Subventionen finanziert wird und daher auch nicht jeder „Schissdräck“ verfilmt werden kann. Doch auch hier gibt es zwischendurch wieder ein paar Glanzstücke die es schaffen im ganzen Land und manchmal sogar darüber hinaus, für Begeisterung und Einnahmen zu sorgen, dazu gehören unter anderem Film wie Die Schweizermacher, Achtung, fertig, Charlie! oder aber auch Mein Name ist Eugen. .

Story:

Das grösste Vorbild von den vier Berner Lausbuben Eugen Pfister, Franz „Wrigley“ Stalder, Bäschteli und Eduard ist Fritzli Bühler der legendäre „König der Lausbuben“, der einst in dem Haus im dem Eugen und Wrigley leben, eine Schatzkarte zum Schatz vom Titicacasee-See versteckt haben soll. Nachdem die beiden für die Beschädigung eines historischen Ritterhelms und den Wasserschaden den sie mit einem Ruderboot auf dem Dachboden verursacht haben entweder zu Sommerarbeit oder dem Klosterinternat verdonnert werden, beschliessen sie auszureissen und Fritzli Bühler, der mittlerweile in Zürich lebt, aufzusuchen um gemeinsam mit ihm auf Schatzsuche zu gehen, damit sie sicher nie wieder heim müssen. Doch nachdem sie auch den Eduard und den Bäschteli, der zufällig der Sohn eines Grossindustriellen ist, ebenfalls dazu überredet haben mit nach Zürich zu kommen, ist durch einen immensen Finderlohn der auf sie ausgesetzt ist, nun aber plötzlich nicht nur ihre Eltern, sondern auch die halbe Schweiz hinter ihnen her.

Stil:

Ich gebe zu, ich habe den Roman auf dem der Film basiert nie gelesen aber offenbar gehörte es vor allem in früheren Tagen zu den obligatorischen Schullektüren, dennoch kann man der Handlung durchaus auch ohne dieses Vorwissen folgen was dem Film aber auch Regisseur Michael Steiner einen grossen Pluspunkt bei mir verschaffte. Obschon der Film in den sechziger Jahren angesiedelt ist, brauchte man keine grossen Kulissen aufzubauen, sondern konnte mit den Schauplätzen der Altstädte von Bern und Zürich oder dem Gotthardpass komplett aus dem vollen schöpfen, nur mussten gewisse Reklametafeln, Schaufenster oder auch Motofahrzeuge der damaligen Zeit angepasst werden. Der Humor könnte für Aussenstehende und Ausländer :P, besonders bei Insiderwitzen gewöhnungsbedürftig oder sogar unverständlich sein, dafür ist er aber für Eingeweihte umso lustiger auch wenn er manchmal fast zu sehr auf der Schulpausenplatz-Niveauschiene fährt.

Charaktere:

Bevor jetzt wieder böse Zungen etwas von unfähigen oder gar untalentierten Jungschauspielern faseln, kann ich Entwarnung geben, die Jungs machen ihre Sache solide bis gut, sogut das eben auf Schweizerdeutsch bzw. Berndeutsch den möglich ist. Besonders gut gefiel mir dann Janic Halioua als Wrigley, vielleicht auch aus dem Grund weil er als einziger der vier so eine richtige „Zürischnurre“ hatte oder das Mädchen bekam…eins von beiden wird’s gewesen sein. Daneben trumpft Michael Steiner richtig auf und lässt alles antanzen was im Schweizer Showgeschäft Rang und Namen hat. So spielen Mike Müller und Patrick Frey, die auch schon in Viktor Giacobbos Spätprogramm zusammen auf der Bühne standen, die zwei herrlich zerstrittenen Väter von Eugen und Wrigley, wobei Giacobbo aber auch noch selbst als übereifriger Polizist einen Gastauftritt spendiert wird. Den Fritzli Bühler spielt natürlich niemand geringerer als Beat Schlatter, der spätestens nach Filmen wie Komiker oder Katzendiebe, sich im Schweizer Comedyhimmel verewigt hat und man merkt dass es ihm sichtlich Spass macht, wie zum Beispiel als er die damals noch lebende, Nella Martinetti mit billigen Fernseher verarscht.

Fazit:

Der Film ist ein Film von Schweizern für Schweizer und herrlich liebevolle Anspielungen auf unser Kulturgut und Geschichte machen das Ganze zu einem tollen Spass für jeden der auch nur ein fünkchen patriotisch veranlagt ist. Dies heisst aber dann nicht gleich, dass der böse Ausländer nicht auch seine Freude daran haben kann, doch sollten diese den Film eher als humoristischen Reiseführer durch die Schweiz sehen und nicht denken dass unser ganzes Land von Bünzlis und Wahnsinnigen bevölkert wird (auch wenn dies so ziemlich der Wahrheit entspricht :P). Schade nur dass, vielleicht in Zukunft solche Filme wahrscheinlich ganz auf staatliche Unterstützung verzichten müssen, da das Bundesamt für Kultur letzte Woche angekündigt hat, weniger oder keinen Mainstream und dafür mehr Avantgarde zu fördern, doch sollte man gerade aufgrund unseres so kleinen Marktes jedem Projekt eine Chance geben, was gerade dieser Film sehr schön beweist.

8,5/10

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3 Responses to “Wir reden über: Mein Name ist Eugen”



  1. 1 Wir reden über: Himmelfahrtskommado | Jason Auric - Sweet Nonsense Trackback zu März 29, 2013 um 12:06 am

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