Wir reden über: Moonrise Kingdom

„Frances, where the hell are you? – I’m up here! – Does it concern that your daughter has run away from home? – That’s a loaded question.“

Wes Anderson kann man ja in vielen Punkten gut mit Tim Burton vergleichen. Beide ziehen gnadenlos ihr Ding durch, beide greifen immer wieder auf ihr persönliches Standardrepertoire von Schauspielern zurück und beide gehören zu meinen Lieblingsregisseuren. Zudem haben beide dieses Jahr ihre neusten Filme ins Kino gebracht, doch während Burton mit Dark Shadows aus meiner Sicht seine bisher schlechteste Regiearbeit ablieferte könnte ich Moonrise Kingdom mit Fug und Recht als einer von Anderson besten Filmen bezeichnet werden.

Story:

Wir schreiben das Jahr 1965, auf einer kleinen Insel vor Neuengland sucht man im Pfadfinder Trupp der Khaki-Scouts gerade verzweifelt nach Sam Shakusky, der ist nämlich abgehauen um mit seiner ersten grossen Liebe Suzy zusammen die Wildnis zu erkunden. Doch sowohl Sams Pfadfindertruppe als auch Suzys Eltern, die in beiden grosse Problemkinder sehen wollen dieses Junge glück nicht zulassen. Und so macht sich die halbe Insel samt Pfadfinderführer, Inselpolizei und Jugendamt auf die Suche nach den beiden Turteltäubchen.

Stil:

Anderson hat ein Faible dafür seine Geschichten in abgeschottene oder zumindest abgeschlosse Szenerien zu verlegen, war es in The Life Aquatic with Steve Zissou ein Schiff oder in The Darjeeling Limited ein Zug ist es hier halt eine Insel. Diese wirkt durch die opulenten aber dennoch nicht im Übermass eingesetzten fantastischen Landschaftsaufnahmen zum Teil fast magisch. Und genau wie schon in seinen früheren Werken nimmt er sich die Zeit und Mühe diese kurz in wenigen markanten Worten mit all ihren kuriosen Besonderheiten vorzustellen. Momente wie zum Beispiel als Sam und Suzy am Strand zu Françoise Hardys Le temps de l’amour tanzen oder die aus einem batteriebetriebenen Plattenspieler erklingende orchestrale Einleitung zum Film zeugen einfach von extrem hoher künstlerischer Qualität und beweisen dass man sich nicht dem Mainstream hingeben muss um gute Filme zu machen. Der Soundtrack ist dadurch natürlich auch einfach nur perfekt gewählt worden und passt dadurch so gut zu jeder einzelnen Szene, dass man sich wirklich fragt ob der Soundtrack dem Film oder doch der Film dem Soundtrack angepasst wurde.

Charaktere:

Anderson hat ja immer schon Liebesgeschichten in seine Filmen eingebaut auch wenn diese meistens am Rande des Geschehens stattgefunden haben und so wirkt es auch nicht als begäbe er sich, auf für ihn, völlig neues Terrain. Newcomer Jared Gilman und Kara Hayward machen ihre Sache, als von ihren Gefühlen verwirrten aber dennoch äusserst entschlossene 60er Jahre Version von Romeo und Julia mehr als nur gut, zumal es ja doch immer noch stets ein Risiko ist mit Jungschaupielern zu arbeiten. Aber auch die Erwachsenen bekommen genügend Gelegenheiten um sich in ihrer kleinen abgesteckten Welt auszutoben. Auch wenn man merkt dass Bill Murray und Bruce Willis längst nicht mehr die Jüngsten sind vermögen sie einem doch vollends überzeugen, Murray hier für einmal ein wenig ausserhalb seines üblichen Rollespektrums während Willis beweist, dass er sogar in einem Wes Anderson zum Actionhelden wird. Doch am meisten glänzte für mich einfach Edward Norton als übereifriger und pingeliger Pfadfinder Führer, sogar so sehr, dass ich wirklich eine Träne verdrücken musste als man ihm [Spoiler!] kurzzeitig seines Ranges enthob [Spoiler!]. Doch auch der Rest der Pfadi glänzt mit einem Staraufgebot wie Harvey Keitel als oberster Pfadiführer oder Jason Schwartzman als Cousin Ben.

Fazit:

Liebe kennt jeder und jeder war sicher schon mal als Kind verliebt und vielleicht sogar so verliebt, dass man von Zuhause ausreissen wollte um zusammen in einer selbst erschaffenen Märchenwelt zu leben. Diese simple aber wunderbare Idee setzt Anderson hier herrlich brillant, gespickt mit einer grossen Portion Melancholie und Zynismus um und beweist, dass es nicht viel braucht um einen guten oder sogar brillanten Film zu drehen.

10/10

10 Responses to “Wir reden über: Moonrise Kingdom”


  1. 1 Dos Corazones Mai 27, 2012 um 3:16 pm

    Oh, es braucht viel Fantasie für so einen Film. Und die beweisen Wes Anderson und Roman Coppola zusammen mit mehr als einer Brise Humor.

    • 2 maloney Mai 27, 2012 um 3:22 pm

      Anderson Humor ist ein ganz spezieller…wenn man ihn nicht rafft mag man solche Filme wahrscheinlich auch nicht besonders andernfalls können es die grössten Meisterwerke sein. Ein Grund warum ich ihn so mag….und ja Coppola hat sicher eine Menge dazu beigetragen die zusammenarbeit war ja auch schon bei Darjeeling von Erfolg gekrönnt

  2. 3 donpozuelo Mai 27, 2012 um 9:23 pm

    Ach, du auch so hoch!!! Sehr gut!!! Bestätigt ja wieder einmal mehr, dass Wes Anderson gar nicht weiß, wie man enttäuscht. Ich freue mich schon sehr darauf, mir den Film auch endlich im Kino anzugucken.

  3. 7 Verena Mai 31, 2012 um 1:58 pm

    Ok, ich hab den Text nicht gelesen, nur den Teaser oben, weil ich immer Angst vor Spoilern habe. Aber ich bin froh, dass Du ihn für super befindest, weil das glaube ich auch (weil Wes Anderson nur super sein kann). Aber letztens las ich eine schlechte Kritik und die hat’s mir ein bisschen vermiest… jedenfalls muss ich den noch gucken gehen. GANZ BALD!

    • 8 maloney Mai 31, 2012 um 3:24 pm

      Jap Anderson hat bis jetztn och nie eine Enttäuschung abgeliefert…na gut Darjeeling war jetzt nicht sooo mein Fall aber trotzdem ist der immer noch sehr gut aus erzählerischer sicht…und ja sie ihn dir an SOFORT! 😀

  4. 9 Sister Bloom Juni 2, 2012 um 10:32 pm

    Ich hab den Film eben auch endlich gesehen. Hatte mich vorher nicht getraut, deine Review (oder irgendeine andere) zu lesen. Gott, dieser Film ist so fantastisch. Ich kann es gar nicht beschreiben. Du hast im Prinzip alles auf den Punkt gebracht.

    Wie macht Wes Anderson das nur immer? So langsam fange ich an, ihn nicht nur zu lieben, sondern zu vergöttern!

    Hach, diese Euphorie gerade…

    • 10 maloney Juni 2, 2012 um 11:51 pm

      Absolut Wes Anderson wird so scheint es mit jedem neuen Film besser…hier stimmt einfach alles, die Schauspieler, besonders die Jungen aber z.B auch Edward norton war einfach nur genial…und vom Soundtrack will ich jetzt gar nicht erst anfangen!


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