Wir reden über: Dark Shadows

„You locked me in a box, for over two hundred years! – Don’t exaggerate, it was only a hundred and ninety-six.“

Tim Burton gehört ja bekanntlich zu meinen Lieblingsregisseuren und Filme wie Sleepy Hollow oder Batman Returns sind meine all-time favoutrites. Doch nachdem er für mich mit Sweeney Todd und auch entgegen der weitläufigen Meinung Alice in Wonderland seine beiden letzten guten Regiearbeiten abgeliefert hat, war ich doch schon ein wenig skeptisch ob Dark Shadows, der auf einer 50 Jahre alten Gruselseifenoper basiert, der richtige Stoff für ihn sein würde, zumal die Serie vor allem dem jungen Publikum, wie auch mir, vorher wahrscheinlich überhaupt nicht bekannt war. Trotzdem holte sich Burton dafür einmal mehr seinen Liebling Johnny Depp an Bord um auch den letzten Nörgler ruhig zu stimmen. Doch hat das wirklich so gut funktioniert?

Story:

Einst war die Familie Collins im 18. Jahrhundert von England nach Amerika übergesiedelt um ihr auf Fischfang basierendes Imperium zu expandieren. In dem eigens nach ihnen benannten Städtchen Collinsport errichten sie auch gleich ihren noblen Herrschaftssitz Collinwood. Der einzige Spross der Familie Barnabas Collins ist bei der Damenwelt sehr begehrt und eine seine Verehrerinnen kommt überhaupt nicht damit klar, dass er ihr eine andere vorzieht. Dieser Liebeskummer geht sogar soweit, dass sie seine Eltern zu Tode kommen lässt, seine Verlobte in den Selbstmord treibt und Barnabas selbst in einen Vampir verwandelt um ihn dann für alle Ewigkeit in einem Sarg mehr oder weniger lebendig zu begraben. Doch die Ewigkeit währt nicht wirklich ewig und durch ein paar mehr oder weniger (un)glückliche Umstände kommt Barnabas wieder frei doch muss er feststellen, dass er doch etwas länger weggesperrt war als er gedacht hatte und er sich mittlerweile mitten in den wilden 70er befindet. Als er sich dann auf die Suche nach den Überbleibseln seiner stolzen Familie macht, muss er feststellen, dass diese kaum mehr etwas von diesem einstigem Glanz besitzt.

Stil:

Burtons scheint sich in seinem Schaffen stets zwischen zwei Stilen hin und her zu bewegen, entweder der düstere gothicmässige Ton oder dann die knallbunte Zuckerwatten-Lolipop Welt, obschon er diese auch mal gern verbindet so wie er es zum Beispiel schon bei Beetlejuice oder Edward Scissorhands getan hat. Genau zu diesen Wurzeln scheint er hier wieder etwas zurück zu kehren, denn man weiss nie genau ob der Film jetzt eine ernst gemeinte düstere Komödie ist oder eher als amüsantes Horrormärchen durchgehen will, zumal Danny Elfmans Klänge und 70er Sound da auch nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen. Über grosse Strecken führt dann genau dies dazu, dass man nie genau weiss ob man jetzt lachen oder sich erschrecken soll obschon es eigentlich auch keine wirklich gruseligen Szenen gibt ausser man zählt Johnny Depps Make-up dazu. Die Entscheidung von Burton den Film auf einer gut 1000-teiligen Fernsehserie basieren zu lassen ist dabei dann etwa genauso schlau wie die Verfilmung von Last Airbender auch wenn die Qualität hier doch definitiv höher gesetzt wurde, trotzdem hatte ich wirklich streckenweise Probleme der Handlung wirklich ganz zu folgen. Dennoch kommen vom optischen her zumindest die Hardcore-Burton Fans wie ich sicher auf ihre Kosten.

Charaktere:

Burtons Besessenheit von Johnny Depp mag ja irgendwie herzig sein, zumal er ja selber zu meinen Liebslingsschauspielern gehört aber muss man ihm dadurch gleich auch immer dieselben Rollentypen zuweisen? Klar brauchen Vampire seit Twilight wieder einen Imagewechsel aber ob Depps michaeljacksonesque Performance das vollbringen kann mag teilweise doch stark bezweifelt werden und seine Zeitreise Witze wurden auch schon besser umgesetzt. Burtons andere grosse Muse und Ehefrau Helena Bonham Carter ist daneben überraschend erfrischend und witzig nur macht ihre Rolle in der Hinsicht, dass man sich etwa in der Hälfte des Films ihrer entledigt überhaupt keinen Sinn, selbst dann nicht wenn sie als Cliffhanger fungiert, da ich bezweifle, dass man für eine Fortsetzung so schnell eine Rechtfertigung findet. In der Rolle der liebeskranken, strippenziehenden Hexe hat Burton zum ersten Mal Eva Green in einem seiner Filme eingesetzt und ich muss zugeben sie macht ihre Sache nicht schlecht obschon eine ähnliche Figur noch weitaus furchterregender von Miranda Richardson in Sleepy Hollow dargestellt wurde. Auch Chloë Moretz als rebellischer Teenager scheint mehr eine verschwendete Figur zu sein da ihr Zweck, wie auch bei vielen anderen Charakteren, erst kurz am Ende des Films offenbart wird. Doch hier machen kleine Leckerbissen wie der Auftritt von Alice Cooper als „the Cooper Woman“ wieder einiges gut.

Fazit:

Burton versuchte viel zu erreichen, gelungen ist ihm davon wenig. Der grosse Nachteil ist sicher wie schon gesagt, dass vielen die Serie einfach zu wenig vertraut war auch wenn in mir jetzt doch die Neugier auf die Originalserie geweckt wurde. Ich muss auch gestehen, dass wenn nicht Burton Regie geführt hätte ich mir den Film wahrscheinlich gar nicht angesehen hätte, was aber auch heisst, dass ich dadurch auch keine Erwartungen hatte und daher nicht wirklich von einer Enttäuschung reden kann. Dark Shadows zeigt wieder mal wenn ein Film sich auf eine Serie beruft, sollte man entweder etwas völlig neues probieren oder einfach extrem vorsichtig bei der Umsetzung sein. Der Ansatz ist nicht allzu schlecht Herr Burton aber bei der Ausführung wurden dann doch einige gröbere Fehler gemacht…zudem muss der Johnny auch nicht unbedingt wirklich in jedem ihrer Film dabei sein oder?

5/10

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10 Responses to “Wir reden über: Dark Shadows”


  1. 1 donpozuelo Mai 17, 2012 um 5:36 pm

    Ja, Serien als Kinofilm haben noch nie so richtig gut funktioniert. Es ist halt aber auch schwer, den Charme einer langjährigen Geschichte in nur 2 Stunden zu packen. Da fragt man sich schon, warum die das immer wieder mal versuchen.

    Deine Kritik zum Film deckt sich so in etwa mit dem, was ich woanders schon gelesen habe. Ich glaube, „Dark Shadows“ hat eine grandiose Vorlage (die ich nur aus „King of Queens“ kenne – zumindest vom Namen her) und genau da wird es ja so schwierig. Wie du schon sagst, manchmal ist weniger mehr. Ich werde dann wohl doch lieber auf die DVD warten 😉

  2. 2 abraxandria Mai 21, 2012 um 6:00 pm

    schade, schade.
    aber ich werde ihn trotzdem gucken, wegen tim burton und johnny depp. dann eben auf dvd, dann ärgert man sich nicht so.

    • 3 maloney Mai 21, 2012 um 6:11 pm

      @don: Jap…Serien in Filmversion haben es wirklich nicht leicht…sieh dir nur mal den Flinstonesfilm an XP
      @abraxandria: Ja obwohl das Argument Johnny Depp hier auch nicht gerade auschlaggebend ist.


  1. 1 Wir reden über: Moonrise Kingdom « Jason Auric – Sweet Nonsense Trackback zu Mai 27, 2012 um 2:56 pm
  2. 2 Dark Shadows: Familientreffen der Tim Burton All-Stars Trackback zu Mai 30, 2012 um 3:10 pm
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