Wir reden über: Fringe – Staffel 1

“Walter, what are you doing? – I’m dosing a caterpillar.”
 Nach dem J.J Abrams mit LOST einen der grössten Serienhits der jüngeren Fernsehgeschichte abgeliefert hat, bringt er mit Fringe dem Konzept nach eigentlich etwas ziemlich ähnliches heraus, doch  ziemlich schnell merkt man, dass er hier etwas völlig neues ausprobieren will und mehr die Problematik des momentanen Fortschritts der heutigen Technik aufzeigen möchte ohne aber je gross mit dem Moralzeigefinger zu wackeln.

Story:

Nachdem ein Flugzeug  auf dem Bostoner Flughafen landet und sämtliche Passagiere darin Tod aufgefunden werden, wendet man sich an das FBI. Die Agenten Olivia Dunham, John Scott und Charlie Francis sind dabei die ersten die den Unfallort genauer Untersuchen und finden sämtliche Insassen wie durch eine Art Säure zerfressen auf. Bei der Suche nach Beweisen und einem Verdächtigen, geraten Olivia und John, der zufällig auch ihr Liebhaber ist, in eine Explosion wobei John von der selben Chemikalie vergiftet wird, die auch shcon die FLugpassagiere tötete und sich dadurch langsam beginnt aufzulösen. Durch Nachforschungen findet Olivia heraus, dass der Wissenschaftler Dr. Walter Bishop der einzige sein könnte, der Scott noch helfen könnte, jedoch sitzt dieser schon seit 17 Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, erschwerdend kommt noch hinzu, dass nur sein Sohn Peter ihn dort besuchen oder entlassen könnte, wobei dieser aber nicht gerade das beste Verhältnis zu seinem Vater besitzt.

Mit der Zeit häufen sich weitere solche, beim FBI als das Schema bekannte, Vorfälle, die alle ebenfalls irgendwie mit Walter in Verbindung in stehen, da dieser früher zusammen mit seinem Partner Wiliam Bell, der nun Vorsteher von Massive Dynamic, des grössten Biotechnologie-Unternehemens der Welt ist, Forschungen für Regierung und das Militär betrieb. Olivia wird daraufhin ständiges Mitglied der sogenannten Fringe-Divison, unter dem Kommando von Spacial-Agent Philip Broyles, wobei sie sich die meiste Zeit nicht in der Zentrale in Boston sondern mit Peter und Walter entweder an irgendwelchen Tatorten oder im ehemaligen Labor von Walter in der Harvard-Universität aufhält.

Stil:

Von vielen wurde Fringe ja als leichter Abklatsch von X-Files und Twilight Zone bezeichnet, da ich aber Ersteres nur bruchstückhaft und Zweiteres gar nicht kenne, bin ich in dem Punkt eigentlich völlig vorurteilsfrei, jedoch fielen mir teilweise starke Parallelen zu LOST oder eben dem Bruch mit diesem doch schon sehr auf. So beginnt der Pilotfilm ebenfalls mit einer Flugzeugkatastrophe und der voreingenommen vom Inselfieber befallenen Zuschauer wird wohl schnell mal kurz aufjubeln oder aufstöhnen je nach dem was er für ein Verhältnis zu J.Js Meisterstück hatte. Schnell wird aber klar, dass man es hier anfangs noch mit mehr oder weniger völlig voneinander unabhängigen Handlungssträngen zu tun hat. Aber Abrams wäre ja nicht Abrams wenn er nicht doch ein über allem schwebendes Riesenmysterium aus dem Hut zaubern würde, welches jedoch erst so richtig gegen den Schluss und in ganz kleinen Schritten zu erkennen ist. So gibt es im Laufe der Serie immer wiederkehrende Motive, wie die Beobachter, das Zerstörung durch Fortschritt der Technologie Manifest kurz ZTF oder einfach nur geschickt platzierte Aussagen der Protagonisten, bei denen man doch aufhorcht und sich fragt ob das nicht noch für später von grosser Wichtigkeit sein könnte.

Charaktere:

Auch vielleicht ein Vorteil gegenüber LOST ist doch die relativ überschaubare Runde von Hauptdarstellern, so könnte ich ohne weiteres die ganze Zeit über nur John Noble (Denethor aus Lord of the Rings) als Walter, mit dem Charme eines klassischen Grossvater, beim philosophieren über die abstrusesten Wissenschaftlichen Theorien zuhören ohne, dass mich wahrscheinlich auch nur der Hauch von Langeweile überkommen würde. Peter und Olivia dagegen bilden einen starken Kontrast dazu, beides sind ja im Grunde einsame Seelen die ihren Platz in der Welt noch suchen, Olivia hat zwar beim FBI ihre Berufung gefunden aber strebt trotzdem immer nach mehr und stützt sich darum am liebsten kopfvoran in den nächsten Fall, wobei man Anna Torv jedoch anmerkt, dass sie noch etwas Mühe mit der Rolle hatte und teilweise vielleicht etwas zu verkrampft agierte, wobei einem aber ihr Äusseres meistens darüber hinwegsehen lässt. Joshua Jacksons Peter ist ebenfalls ein grosser Glücksgriff für die Serie, denn obwohl sein Charakter eignetlich ziemlich ernst angelegt ist, sorgt er mit seinem erfrischendem Charme immer wieder für heitere Momente, besonders wenn die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater angesprochen wird “I thought you would be fatter.” 

Dazu gesellen sich aber auch eine Vielzahl von gut geschriebenen Nebencharaktern, die dem ganzen auch in Abwesenheit der Hauptcast Würze verleihen. Philip Broyles mimt zwar stets den harten, gefühlskalten Agententyp aber man merkt doch immer wieder, dass ihm sein Team wichtig ist und der für sie auch mal selbst die Hand in Feuer halten würde, zudem finde Lance Reddick einfach an sich schon eine coole Sau. Walters Assistentin Astrid Fansworth ist schon aus dem Grund, dass dieser sich einfach nicht ihren an sich nicht sonderlich schwierigen Namen merken kann, ein Highlight Asteroid? Asterix? Astral?

Fazit:

Fringe lebt im wesentlichen von zwei Dingen; Zum einem der Interaktion des Trios um Olivia, Peter und Walter, wobei natürlich dieser mit seiner herzallerliebsten aber fast an wahnsinngrenzenden Exzentrik und zum anderen den sich in jeder Folge immer wieder übertreffenden Wisssenschaftabstrüsitäten die aber auch wieder im wesentlichen ja Walter zu verdanken sind. Die erste Staffel ist gut verdauliche Kost für jeden Serienjunkie mit Hang zur Sciene Fiction-Dramatik. Zwar sind Fälle mit denen sich das Team befassen muss nicht immer die appetitlichsten aber im Gegensatz zu, ich muss es halt schon wieder erwähnen LOST, wird man (noch) nicht andauernd mit Ciffhangern bombadiert und kann zwischendurch auch wieder mal durchatmen. Dadurch ist es halt noch nicht die ganz grosse Spannungsorgie und Abrams kehrt hier ein wenig zu seinen Anfängen zurück, als er mit Alias  ebenfalls eine Agentin in einen Swimmingpool aus Mysterien stürzte.

12 Antworten zu „Wir reden über: Fringe – Staffel 1“


  1. 1 Julian September 4, 2011 um 1:48 nachmittags

    Ich habe ja so ziemlich jede Folge von Akte X gesehen (ich bin halt alt! ;-) ) und kann nur sagen, dass die einzige Parallele folgende ist: FBI AGenten ermitteln in paranormalen Fällen. Dann könnte man auch sagen, dass die Simpsons ein Abklatsch von “Eine schrecklich nette Familie” sind oder von “Alle unter einem Dach” (obwohl das sogar ein bisschen stimmt). Richtig gut und interessant wurde Fringe ja erst etwas später. Und seit die alternative Welt eingeführt wurde, muss ich einfach jede Folge sehen, am besten spät Nachts (dank der Alm ist das im Moment ja nicht möglich), da sie da ungeschnitten sind.

    • 2 maloney8032 September 4, 2011 um 2:37 nachmittags

      Dass du alt bist hast du ja schon auf Facebook unter Beweis gestellt :D
      Ich habe ja auch nur ein paar Kritiker zitiert aber die Hauptrahmenhandlung erinnert halt schon ein ganz bitzeli an X-Files aber ich muss jetzt sagen, dassi ch Fringe wesentlich spannender finde gerade eben wegen dem Paralell-Universum, dass einfach ein wieder mal genialer Schachzug war. Ich habe ja noch das glück dass das Schweizer Fernsehen die serie ebenfalls zeigt und dassn och ohne Werbeunterbrechung und auf Verlangen im O-Ton :D

      • 3 Julian September 4, 2011 um 3:55 nachmittags

        Das ist ja echt toll mit dem O-Ton! Aber in den Spätwiederholungen ist auch kaum Werbung drin. Schwacher Trost. Ja, den Vergleich kenne ich auch aus Kritiken. Was bei Akte X so genial war: Anfangs gab es für alles eine logische Erklärung. Später stand das mit den Aliens dann fest, was ziemlich blöd war.

  2. 4 Phil September 4, 2011 um 3:46 nachmittags

    Hmmm, bisher nichts davon gehört, scheint aber als müsste ich da mal reinschauen…

  3. 5 maloney8032 September 4, 2011 um 4:35 nachmittags

    @Julian: Wie gesagt X-Files kenn ich zu schlecht um mir da ein Urteil zu erlauben aber Aliens als Erklärung ist doch auch irgendwie logisch oder?
    @Phil: Ja solltest du :D

  4. 6 bullion September 4, 2011 um 6:39 nachmittags

    Freu dich auf die nächsten Staffel. Spätestens ab der dritten Staffel fährt die Serie ganz andere Geschütze auf und steht in Sachen komplexität “Lost” in fast nichts nach.

  5. 8 donpozuelo September 5, 2011 um 8:12 vormittags

    Ich ärgere mich ja immer noch, dass ich über die erste Staffel nicht hinaus bin. Zweite Staffel steht zwar schon bereit, aber bis jetzt bin ich einfach noch nicht dazu gekommen.

    Anfangs war ich ja bei “Fringe” etwas skeptisch. Aber nachdem auch Staffel 1 anfing, verzwickter zu werden und einen größeren Plot im Hintergrund erkennen ließ, fand ich sie ganz großartig.

    Die Akte X-Vergleiche waren vor allem in den ersten Folgen (die ja noch recht eigenständig für sich standen) auch sehr oft in meinem Kopf. aber wie schon gesagt, irgendwann verschwand auch das.

  6. 9 Dr. Borstel September 5, 2011 um 1:16 nachmittags

    Hat mir soweit ziemlich gut gefallen, habe die Serie nach der ersten Staffel aber aus den Augen verloren, auch weil ich einfach keine Serien mehr im TV (= auf deutsch) geguckt habe. Hab mir nun aber die erste Staffel auf DVD zugelegt und werde demnächst noch mal einen Blick riskieren.

  7. 11 spanksen September 7, 2011 um 9:35 vormittags

    Eine Serie die ich tatsächlich noch nachholen muss


  1. 1 Wir reden über: Fringe – Staffel 2 « Jason Auric – Sweet Nonsense Trackback zu September 10, 2011 um 2:20 nachmittags

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